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#1 Christian Meyer (2) von jochen 13.10.2010 13:24

.

Es gibt ein neues Interview mit Christian Meyer auf jetzt.tv -

sehenswert!


lieben Gruß,
jochen


Themen u.a..
Therapeutische und spirituelle Arbeit, die zum Erwachen führen; psychische Hindernisse, Blockierungen lösen; Atemarbeit; innere Gebote, Ängste lösen; Körperempfindungen, Gefühle und tiefere Erfahrungen unterscheiden, ihnen begegnen und lösen; Auflösung und die Angst vor dem Aufwachen; die Erfahrung der vollkommenen Stille; die Unterscheidung von praktischen Gedanken und psychischen Gedanken; welche therapeutische Arbeit auf dem spirituellen Weg nutzen? Nahtod- und Aufwachenserfahrung; die tiefere Erfahrung, die Weite und Grenzenlosigkeit.

Die Erfahrung des Einsseins; Einssein, etwas anderes als Verbundenheit; Ziele im praktischen Sinne; Erwachen kann in der Mitte der Gesellschaft ankommen; Erleuchtung und einseitig materialistisch-wissenschaftlich ausgerichtete Gesellschaft; kindliches und ernsthaftes Denken; sprechen, wenn das „Ich“ aus dem Weg tritt; der allgemeine Sog des Absoluten und der irdische Verstand; morphogenetische Bewusstseinsfelder; transzendenter und immanenter Sog, zwei verschiedene Ebenen; Flowprozesse, wenn das „Ich“ stiller wird.

Schicksalsschläge, die geschehen, der Schmerz, die Empörung und die gefühlsmäßige Bewertung; Karma, der Gott mit dem Zeigefinger; die so viel heilsamere Haltung des Nicht-Wissens; tiefere Erfahrungen leben, nicht vom Kontrast; Impulse weiser Menschen; durch den inneren Abgrund hindurch finden; das Besondere der spirituellen Arbeit unterschiedlicher Lehrer; Einsichten, tiefe Energie und die Verbindung zur eigenen Erfahrung; Freude und Schmerz als Lehrer, nichts von beiden üben; nichts machen, sich überraschen lassen.

#2 RE: Christian Meyer (2) von hedibaer 13.10.2010 22:38

Sehr interessant, vielen Dank Jochen

Er gibt sehr gute Erklärungen oder Erläuterungen zur Unterscheidung zwischen Gestalttherapie und
Spiritualität und einigen anderen Begrifflichkeiten, wie in den Stichworten erwähnt, wirklich eine Perle.

#3 RE: Christian Meyer (2) von ishmana 13.10.2010 23:17

avatar

@jochen,
ich höre chr. meyer auch gerne, bin aber nicht in allen ansichten bzw erfahrungen einer meinung mit ihm.
seine ansicht über karma ist eben auch nur eine ansicht und kann die "existenz" des karmas weder intellektuell
noch sonstwie widerlegen.
die gleichsetzung mit strafe entspringt dann auch einem kindlichen denken und keiner erwachsenen spiritualität.
indem ich die schwerkraft für nicht gültig erachte, verschwindet sie dadurch noch lange nicht.

lg ishmana

#4 RE: Christian Meyer (2) von Celestine 14.10.2010 13:14

Hi Jochen!

Vielen Dank für den Hinweis! Hat Spaß gemacht das Interview zu hören!

Liebe Grüße,
Astrid

#5 RE: Christian Meyer (2) von Karin 15.10.2010 11:52

Guten Morgen!

Hab mir die Videos angesehen und staune mal wieder, wer sich so als "erwacht" bezeichnet - und wie er das definiert.
Bezüglich des Erwachens schickt der Christian die Menschen, die ihm glauben, gedanklich ganz schön in die falsche Richtung.

Ich könnte vieles anführen, hier mal nur ein Zitat:
"Wenn diese Verspannung im Körper und in der Seele ist, dann kann dieser Mensch sich nicht wirklich fallen lassen -
kann er also auch nicht aufwachen."

Das ist eine völlig falsche Auffassung, die schon wieder "Bedingungen" schafft, die für das Erwachen "nötig" wären.
Aber das ist nicht wahr! - Noch dazu ist es nicht möglich, dass "ein Mensch" diese Bedingungen erfüllt.
Wenn das Erwachen wirklich über ihn gekommen wäre, wüsste er das.

Erwachen ist Offenbarung. Sie geschieht, wann und wie und wo sie will - und sie ist auch nicht nur die "Präsenz von Leere und Stille",
wie er sagt.

Grüsse

#6 RE: Christian Meyer (2) von Silverwings 15.10.2010 15:14

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@Karin: Du gibst mir mal wieder nen schönen Anlaß, aus meinem Lieblingsbuch zu zitieren.

Zitat von Thaddeus Golas
What do you do to become enlightened? What are the signs that you are succeeding? How does your life change as you become more enlightened?

There is nothing you need to do first in order to be enlightened.

All potential experiences are within you already. You can open up to them at any time, faster than instantaneously, just by being there.

But there's no hurry. Total expansion is always there, beyond time, within and around you. You need only open your awareness at the pace you find safe and comfortable. [...] This is home. We all belong in the universe.

Nothing gets in our way, but most of us are likely to open up in stages, gradually. We tend to go up in cycles of emotion: after each burst of euphoric realization, we may hit a new and different kind of negativity, the next thing we need to learn to love. But the higher you go, the easier it gets.



Silverwings

#7 RE: Christian Meyer (2) von jochen 15.10.2010 16:34

liebe Karin,

danke für deinen Kommentar.

Wir haben ja schon öfter darüber gesprochen.
Ich hatte ja im letzten Jahr schon mal den Verdacht geäußert, daß es bei Therapeuten wie A.H.Almaas oder Christian Meyer zu einer Verwechslung kommt von „Erwachen“ und „Erfahrung von Essenz“.
Letztlich kann ich das nicht beurteilen.
Ich habe auf den Seminaren bei Christian selber sehr tiefe Erfahrungen gemacht und auch bei einigen anderen tiefgreifende Veränderungen beobachten können, die auch dauerhaft waren und sind. Es scheint mir eine Tatsache zu sein, daß bei der Begegnung mit den tiefen existentiellen Gefühlen wie z.B. der Angst vor dem Sterben oder der Einsamkeit oder der Leere ein Durchbruch von der existentiellen zur essentiellen Wahrnehmung geschieht, eine Erfahrung von einer anderen Seinsebene, die weit über die bisher erlebte „persönliche Existenz“ hinausgeht.

Allerdings stelle ich auch fest, daß eigentlich ausnahmslos bei allen, mit denen ich darüber gesprochen habe, diese persönliche Ebene immer noch als Identität existiert. Sie ist gewissermaßen in einen größeren Kontext gestellt, und das erzeugt durchaus ein Grundgefühl von Stille, Frieden oder auch Glückseligkeit. Aber sie ist noch da, da ist immer noch ein Ich, das Erfahrungen macht.
Trotzdem werden diese Erfahrungen offensichtlich als „Aufwachen“ oder als „Schritte zum Aufwachen“ verkauft, oder als „Aufwachen, daß noch vertieft werden muß“.
Da wird doch einiges verwischt und vernebelt, wie ich finde.

Das tut dem Wert dieser tiefen Erfahrungen überhaupt keinen Abbruch, und sicher hat Christian in der Hinsicht recht, daß diese Erfahrungen erst möglich sind, wenn auf der Ebene der körperlichen Verspannungen etwas gelöst wird (was eine verspannte Seele ist, ist mir allerdings auch ein Rätsel. Wahrscheinlich meint er psychische Blockaden, Psychologen verwechseln gerne schon mal Seele und Psyche). Insofern ist die Arbeit, die er macht, sehr wertvoll und auch eine längst fällige Ergänzung des körpertherapeutischen Ansatzes. Er vermittelt da eine essentielle Form von Spiritualität, die sehr in die Tiefe geht und ziemlich konsequent mit dem Wunschdenken und der Selbsttäuschung aufräumt, die normalerweise mit spirituellen Konzepten verbunden sind.

Das sind Bereiche, wo er durchaus was zu sagen hat, ich finde, das kommt in dem Interview auch gut rüber. Die typischen Verdränger, Selbstbeweihräucherer und Beinahe-Erleuchteten werden sich in seinen Seminaren nicht sehr wohlfühlen und recht bald andere Satsangs aufsuchen, wo ihnen nicht so sehr auf die Pelle gerückt wird. Davon gibt es ja immer noch genug.

Es sucht sich ja sowieso jeder den, der zu ihm passt, und kriegt genau das, was er braucht.

Ich habe Christian, als ich ihn kennenlernte, schon sehr deutlich gesagt, daß ich mich nicht an dem Bemühen um das Aufwachen beteilige, sondern ausschließlich an der Frage interessiert bin „Wer bin ich?“ –
oder auch: „wer bin ich nicht?“.
Für diese Frage ist Christian wirklich eine gute Adresse, und ist seine Arbeit sehr hilfreich.

Wenn das Erwachen, wie du sagst, eine Offenbarung ist, dann ist es ja auch so etwas wie eine Gnade
(oder ein Schicksalsschlag?), die man sich nicht „verdienen“ kann.

Alles andere, auch die Arbeit an tiefen essentiellen Erfahrungen, verbuche ich unter der Rubrik „seelische Hygiene“ und glaube, daß das in ein paar Jahrzehnten genauso selbstverständlich sein wird wie Zähneputzen.
Das gehört für mich zur Lebensqualität einfach dazu.


lieben Gruß,
jochen

#8 RE: Christian Meyer (2) von jochen 15.10.2010 16:47

.

Zitat
Nothing gets in our way, but most of us are likely to open up in stages, gradually. We tend to go up in cycles of emotion: after each burst of euphoric realization, we may hit a new and different kind of negativity, the next thing we need to learn to love. But the higher you go, the easier it gets.



liebe Silverwings,
my english ist not so good, but I will try it, also wie ist das richtig übersetzt?

"Nichts stellt sich uns in den Weg, aber die meisten von uns öffnen sich wahrscheinlich allmählich in Stufen.
Wir neigen dazu in Zyklen von Emotionen weiter zu gehen: Nach jedem Ausbruch von euphorischer Realisierung treffen wir auf eine neue und andere Art von Negativität, das Nächste, das wir lernen müssen zu lieben.
(oder muß es heißen: Das Nächste, das wir brauchen, um lieben zu lernen ... ?)
Aber je höher man kommt, desto einfacher wird es."



Hm, wie ich das auch drehe und wende, ich glaube, Karin sieht das aber anders, wenn sie schreibt

Zitat
Erwachen ist Offenbarung. Sie geschieht, wann und wie und wo sie will


Oder gibt es doch ein sich öffnen in Stufen....?

Kopfkratz.

lieben Gruß,
jochen

#9 RE: Christian Meyer (2) von Karin 15.10.2010 17:56

Zitat von jochen

Oder gibt es doch ein sich öffnen in Stufen....?

Kopfkratz.


Lieber Jochen - wie ich es sehe, ist es eher die Hinführung zu einem spirituellen Kontext des Daseins, die meistens geschieht. Erwachen liegt aber nicht im Kontext eines „Ich“. Da gibt es keine Stufen. – Danach gibt es allerdings weiterhin Dasein, weit geöffnetes (geistiges) Dasein – und einen radikalen Transformationsprozess.

Um auf deine Frage zurückzukommen, liegt die Antwort darin, sich dabei die existenzielle Frage, um die es bei „Erwachen“ geht, zu stellen, und zwar: WER öffnet sich denn (in Stufen)?? –

Ist diese Frage zutiefst verstanden/verinnerlicht, beantwortet sie sich - IST das die Offenbarung. Mehr steckt gar nicht dahinter. Es ist hier und jetzt – und war schon immer.

Lediglich ein Wechsel der Perspektive/der Identität zeigt, dass die scheinbare Unvollkommenheit schon immer die gewollte Vollkommenheit war – mit allem, was darin ist an Gutem wie Bösem. – Dass das SEIN also doch schon immer IST – und die Erkenntnis dessen völlig unabhängig ist von dem was in der dualen Matrix als unvollkommen bzw. als Blockaden oder ähnliches definiert wird. – Auch das sind Programme, Konditionierungen, die uns vorgaukeln, „Ich“ könnte etwas tun, damit ich erkenne, was mein wahres Wesen ist.

Die ultimative Erkenntnis ist aber, dass ich sehe, WER/WAS das alles tut, was getan wird. – Das ist alles.

Das hat nichts damit zu tun, dass ich als Individuum mich so oder so fühlen müsste, dass es mir immer gut gehen müsste, ich keine Angst mehr habe, immer im Frieden bin – und die üblichen Klischees, die dem so anhaften. – Das ist allerdings das, was der Mensch im allgemeinen hören will. –
Nur die radikale und ungeschönte ERFAHRUNG des Seins-so-wie-es-ist (ohne korrektiven Eingriffsversuch, Beschönigung, Leugnung etc. seitens der Gedanken also) zeigt den wahren Charakter des Seins, das ALLES enthält. Das ist nicht immer lustig, aber ich wage auch zu behaupten, dass die Menschen, in denen Erwachen wirklich stattfinden soll, in der heutigen Zeit durch genau diese Tiefen gehen werden, in denen sie die Einheitlichkeit des Seins zutiefst erfassen werden – und das ist genau das Gegenteil davon, schnell Mittel und Wege zu finden, aus diesen ungeliebten Zuständen herauszukommen. Es kann sich mitten im größten Chaos offenbaren (und tut es auch) – wenn kein Ausweg mehr zu sein scheint z.B. – und da ist niemand, der sich dem oder dem öffnet, da ist einfach Unausweichlichkeit, da ist Öffnung in einer Tiefe, jenseits aller Begrifflichkeiten und Vorstellungen, die sich niemand in solch einem Moment überhaupt hätte vorstellen können... und sie GESCHIEHT.

Es gibt keinen Weg zum Erwachen. Erwachen IST der Weg – der an einem bestimmten Punkt den Kontext, das Verständnis in einem individuelle Dasein völlig verändert, umkrempelt.

Das "eigenständige Ich“, was sich als Illusion offenbart, kann also gar nichts dazu beigetragen haben, aus eben dieser Illusion zu erwachen – weil es noch nie der Handelnde war. – Wenn also jemand sagt (wie Christian), das „Ich“ ist Illusion und behauptet gleichzeitig, wenn dies und das ist (Blockaden), kann der Mensch (Ich) sich nicht fallen lassen, also auch nicht erwachen – ist das der Witz schlechthin. Wie kann eine Illusion sich fallen lassen oder an ihren „Blockaden“ arbeiten?

Beim Erwachen wird klar gesehen, WER/WAS alles tut. Da kann niemals so etwas gesagt werden, dass es für das „Ich“ einen „Weg zum Erwachen“ gäbe. – Wer so etwas sagt, dem steht das Erwachen erst noch bevor – das, wenn es geschieht, eben NICHT dem Ich oder im Ich geschieht – sondern dem wahren Wesen jenseits davon, das sich mitten im Ich-Dasein enthüllt – und damit dessen Leere aufdeckt. – Das ist die Leere, die erlebt wird – dass alle Erscheinungen für sich inhärent leer sind – keine Selbstexistenz haben.

So – wozu können also solche Lehren vom Arbeiten am Ich dienen oder nützen – in Bezug auf das Erwachen zur wahren Natur? – Auf jeden Fall wird es ein gutes Geschäft sein – denn das hält sich gut am Laufen mit dem Verkünden, dass der Mensch immer noch nicht „unblockiert“ genug ist, um... zu erwachen? – Wobei ja der Mensch nicht erwacht, sondern wie gesagt, seine wahre Natur enthüllt den Traum, ein eigenständig existierender Mensch zu sein, als das, was er ist - ein Traum bzw. Illusion.

Lieben Gruss

Karin

#10 RE: Christian Meyer (2) von jochen 16.10.2010 14:05

liebe Karin,

danke für deine ausführliche Antwort – da wird vieles klarer.

Es scheint so, als gäbe es im menschlichen Bewußtsein ein inhärentes Streben nach Weiterentwicklung oder Ausdehnung. Die einen erleben es mehr bewußt und treiben es durch innere Arbeit aktiv voran, die anderen erleben es mehr unbewußt als einen roten Faden, der sich durchs Leben zieht und einem allerlei Lektionen auftischt, an denen man dann wachsen kann. (Wie gesagt, es scheint so....man kann es auch anderes sehen)

Wie auch immer, es scheint da eine Tendenz zu Wachstum zu geben, und die humanistische Psychotherapie, die eine Fülle von Methoden entwickelt hat, die dieses Wachstum fördern können, ist ein wesentlicher Beitrag zu dieser Entwicklung.

Dieses innere Wachsen geschieht auch nicht linear, sondern offensichtlich gequantelt, also immer mal wieder in Sprüngen. Zur Zeit scheint es darüber hinaus auch mal wieder so zu sein, daß ein kollektiver Sprung geschieht – zumindest, was unsere Generation betrifft. In diesem Zusammenhang sehe ich auch das Zitat von Silverwings mit den Stufen. Wenn man die Entwicklung des Bewußtseins als Hierarchie betrachtet, von niedrigeren zu höheren Stufen, dann kann man das, was im Moment geschieht, durchaus als einen „Aufstieg“ ansehen.

Dieser Bewußtseinssprung (jeder Bewußtseinssprung übrigens) führt auch dazu, daß man, wenn man ihn erlebt hat, relativ verwundert auf das schaut, was hinter (oder unter) einem liegt, das Stadium, aus dem man sich gerade herausentwickelt hat, und gar nicht mehr versteht, wie man einmal so hatte sein können, so hatte denken und empfinden können. Das erscheint einem dann wie das Erwachen aus einem Traum, und schwupps, schon denkt man:
„Oh, das also ist das ERWACHEN!“

Ich denke, da entstehen die meisten Mißverständnisse, was das Erwachen betrifft.

Es wird als eine persönliche Errungenschaft betrachtet, die man durch innere Arbeit herbeiführen kann. Dahinter steckt – meistens unbewußt – eine Vorstellung vom idealen vollentwickelten Menschen, die man verwirklichen möchte, und dann hat man fertig.
Deshalb auch der starke Run auf die Satsangs allerorten. Es ist die Suche nach dem lebenden Jesus, dem Beweis, daß ein voll verwirklichter Christus möglich ist und man es ihm nur gleichtun muß. Das ist ein ganz merkwürdiger Mischmasch aus Selbsterniedrigung (ich muß erst so sein wie er/sie, dann bin ich erwacht) und Größenwahn (wenn ich soweit bin, dann ist alles erledigt, dann herrscht eitel Freude und Glückseligkeit allezeit). Viele merken, daß was Neues in der Luft liegt, und suchen nun jemand, wo sie es anfassen können: "Ah, das ist es also!"

.Das Erwachen wird hemmungslos idealisiert, nur um irgend jemanden zu haben, auf den man seine Wunschvorstellungen vom Erwachten Sein projizieren kann. Es ist aber doch offensichtlich, daß das Erwachen mit den Vorstellungen von persönlichem Wachstum und persönlicher Integrität gar nichts zu tun hat

Wenn man sich die Erwachten genauer anschaut, ist das aber doch sehr ernüchternd:
Ein Chögyam Trungpa, der an seinem Alkoholismus verreckt. Ein Eli Jaxon-Bear, der jahrelang mit seiner Frau Gangaji Satsangs gibt und gleichzeitig eine heimliche sexuelle Beziehung zu einer Schülerin unterhält. Oder ein Osho, der hemmungslos seine paranoiden Wahnvorstellungen auslebt und dafür das Geld seiner Schüler verpulvert.

Hm, wenn man wirklich von Bewußtseinsstufen ausgeht, auf welcher Stufe stehen die dann?

Da nützt es auch nichts, wenn z.B. Ken Wilber und Andrew Cohen in ihrem seit Jahren andauernden Dialog „der Guru und der Pandit“ (in der Zeitschrift „Enlightment“) fordern, daß die Erwachten aus ihrer narzisstischen Selbstschau herauskommen und sich in den Dienst der Evolution stellen sollen. Eben, weil sie meinen, der Erwachte sollte doch ganz oben in der Hierarchie der Bewußtseinsstufen angesiedelt sein, als höchste Frucht der Evolution des Bewußtseins. Sich als eine Art moderner Bodhisattva ganz in den Dienst der Menschheit und des Planeten Erde stellen. Das ist auch wieder nur eine Form der Idealisierung: Wir backen uns den voll verwirklichten erleuchteten Menschen – nach unseren Wunschvorstellungen. Er soll weiter, schöner, besser, verantwortungsbewußter, ethischer sein als alle anderen. So hat Andrew Cohen auch wieder eine neue Meßlatte, mit der er die Erfahrungen seiner Schüler beurteilen kann.

Deshalb sind ja die meisten „Sucher“ auch unglückliche Menschen. Weil sie ihre Persönlichkeit danach definieren, wie weit sie von dem gesteckten „Ziel“ noch entfernt sind.
Sie verhungern praktisch vor der eigenen Mohrrübe, die sie unerreichbar weit aufgehängt haben. Sie vergleichen das, was sie sind, mit dem, was sie gerne wären, was natürlich der helle Wahnsinn ist, denn weil sie ohnehin nie das sein werden, was sie sein wollen, können sie auch nicht das sein, was sie sind.

Das Streben nach Wachstum, nach Weiterentwicklung scheint tatsächlich ein Bestandteil des Lebens zu sein. Es ist aber in der Regel ein Wachsen aus etwas hinaus, ein Sprengen von Grenzen, von Begrenzungen, ein weiter werden und sich ausdehnen.
Nur dem menschlichen Ich ist es vorbehalten, sich Ziele auszudenken, wo denn das hinführen soll, und Bilder und Visionen von der Zukunft zu konstruieren, wobei es oft nicht merkt, wie sehr es sich damit einengt und von dem, was tatsächlich passiert, entfremdet. Das Material für diese Bilder stammt ja immer aus der Vergangenheit, woher auch sonst? Und so sind auch alle Vorstellungen vom Erwachen nichts weiter als Projektionen, die mit dem, was tatsächlich geschieht, recht wenig zu tun haben, und eher zur Desorientierung beitragen.
(So, wie viele von uns jetzt dabei sind, den ganzen Müll, der sich mit dem Thema „Aufstieg“ angesammelt hat, zu entsorgen, weil er wirklich nichts taugt und herzlich wenig mit dem zu tun hat, was jetzt tatsächlich passiert).

Mir scheint das Erwachen eher eine Art Betriebsunfall zu sein.
Plötzlich ist kein Ich mehr da. Und damit auch keine Geschichten mehr von „ich bin jetzt weiter als....“.
Die einen können damit leben, manche können sogar sehr gut damit leben, für andere ist es eher der Horror.
Aber was soll’s, den einen erwischt es, den anderen läßt es laufen. Erstmal.
Machste eh nix dran.

lieben Gruß
jochen

#11 RE: Christian Meyer (2) von Silverwings 16.10.2010 15:20

avatar

hi ihr 2,

ist doch schön, daß mein kleines Zitat euch zu so ausführlichen Postings veranlaßt hat. Und sorry jochen, ich dachte immer, wer Lehrer ist, kann bestimmt auch Englisch. Aber dann bist du wohl Physiklehrer?

Habe in meinen Dateien gewühlt und eine deutsche Version zutage gefördert (an der ich noch ein bißchen rumgebastelt hab). Der erste Satz, den ich jetzt hervorgehoben habe, war eigentlich der, um den's mir ging in bezug auf Karins voriges Posting. Nämlich daß man nichts dafür tun muß ... und der Absatz danach erklärt dann halt, daß es zwar nix gibt was man tun müßte, daß aber die meisten Leute wohl doch dazu neigen, immer wieder auf "Hindernisse" zu stoßen, denen sie sich dann halt "stufenweise" öffnen.

Der deutsche Titel des Buches sagt es eigentlich in Kürze: "Der Erleuchtung ist es egal, wie du sie erlangst."

Danke euch für eure Beiträge!

Zitat
Was mußt du tun, um erleuchtet zu werden? Was sind die Anzeichen dafür, daß du dich erfolgreich bemühst? Wie verändert sich dein Leben, während du allmählich erleuchteter wirst?

Es gibt nichts, was du zuerst tun müßtest, um erleuchtet zu sein.

Alle möglichen Erfahrungen sind bereits in dir. Du kannst dich ihnen jederzeit öffnen, schneller als augenblicklich, einfach indem du da bist.

Aber es eilt nicht. Die völlige Ausdehnung ist immer da, jenseits der Zeit, in dir und um dich. Du brauchst nur dein Gewahrsein zu öffnen, in dem Tempo, das dir sicher und bequem erscheint. [...] Das hier ist Zuhause. Wir alle gehören zum Universum.

Es steht nichts im Weg, aber die meisten von uns dürften sich in Etappen öffnen, nach und nach. Wir haben die Tendenz, in emotionellen Zyklen aufzusteigen: Nach jedem Ausbruch begeisterter Wirklichkeitswahrnehmung treffen wir wieder auf eine neue und andere Art von Ablehnung in uns, auf das Nächste, das wir lieben lernen müssen. Aber je höher du gehst, desto leichter wird es.

#12 RE: Christian Meyer (2) von hedibaer 16.10.2010 15:29

Hi Karin und Jochen,

ich hab jetzt Eure Beiträge gelesen und bin mit ein paar Schwierigkeiten, dabei, einen weiteren Eindruck von
C.M. zu beschreiben. Da ich gar nicht auf Definitionen aus bin, sondern einfach auf Geschehen lassen, fällt
es mir schwer.

Meine Erfahrungen basieren bisher auf jahrelangen gestalttherapeutischen Ausbildungen und QI-Gong als letzte
Aktivität neben einigen Erfahrungen in der Psychosynthese beim guten Harald Reinhard in Köln. Das wars dann.

Mich interessiert schon, was in den Foren über Aufstieg etc. so geschrieben steht, kenne es aber aus meiner
QI-Gong-Arbeit überhaupt nicht. Daoistischer Ansatz, in die Stille gehen usw.
Deshalb kann ich ganz gut mit dem, was C.M. da schreibt, was anfangen und es ist hilfreich, den spirituellen
Ansatz mit dem therapeutsichen zu verbinden, so wie er es vorschlägt.
Gestern noch hörte ich mir einen Chat mit ihm an, den ersten meines Lebens und finde, er macht das eigentlich
ganz gut und behauptet durchaus nicht, dass Erwachen sich durch die von ihm angebotenen Wege, die ja auch
die von Eckhard Tolle und Byron Katie z.B. miteinbeziehen, von Aktivitäten abhängt, sondern er sagt in dem
Chat, dass das "abolute Selbst", höheres Selbst? - zum Aufwachen zieht, wir haben es also nicht inder Hand.

Mir persönlich macht das nichts. Ich genieße diese aufgezeigten Möglichkeiten, wende sie gerne an und gucke,
was sie in mir bewirken. Dass das ganze zyklisch abläuft, erlebe ich ebenso. Und ich lebe mein Leben durchaus
gerne und mit Genuss. Gerade deshalb, weil ich auf nichts a u s bin.
Durch meine spirituelle Reise in diesem Jahr habe ich zwar schöne Erlebnisse gehabt, aber einem Hype auf
Aufstieg bin ich nicht gefolgt, das wollte und will ich weiterhin mir nicht antun. Diese Energien aber zu fühlen,
diese "Shekina-Energie" oder Christusenergie war durchaus ein wunderbares Erlebnis. Auch, wie sich alle Körper
öffnen usw. das ist schon fast "berauschend", obwohl es auch einfach nur ein erleben ist. Trotzdem war ich unter
ganz normalen Menschen, wie ich auch, nur fühlte ich mich völlig anders.

Mir hat das Interview und der Hinweis auf C.M.'s Arbeit schon einen guten Anstoß gegeben, einfach! weiterzugehen.

#13 RE: Christian Meyer (2) von Gyan 17.10.2010 13:44

Zitat von Karin

Hab mir die Videos angesehen und staune mal wieder, wer sich so als "erwacht" bezeichnet - und wie er das definiert.
Bezüglich des Erwachens schickt der Christian die Menschen, die ihm glauben, gedanklich ganz schön in die falsche Richtung.



Das stimmt.
Wenn ich schon den häufig in der Vita dieser Satsang-Leute zitierten Satz lese:
"Seine Suche endete 1998, als er seinem Lehrer Eli Jaxon-Bear – in der Tradition von Sri H.W.L. Poonjaji begegnete..." bekomme ich schon Hautausschlag.

Zitat von Jochen
Deshalb auch der starke Run auf die Satsangs allerorten. Es ist die Suche nach dem lebenden Jesus, dem Beweis, daß ein voll verwirklichter Christus möglich ist und man es ihm nur gleichtun muß. Das ist ein ganz merkwürdiger Mischmasch aus Selbsterniedrigung (ich muß erst so sein wie er/sie, dann bin ich erwacht) und Größenwahn (wenn ich soweit bin, dann ist alles erledigt, dann herrscht eitel Freude und Glückseligkeit allezeit).



Und genau deshalb finden sich auch keine Erwachten in der Satsang-Szene,
sondern ausschließlich Blender.

Zitat
Wenn man sich die Erwachten genauer anschaut, ist das aber doch sehr ernüchternd:
Ein Chögyam Trungpa, der an seinem Alkoholismus verreckt. Ein Eli Jaxon-Bear, der jahrelang mit seiner Frau Gangaji Satsangs gibt und gleichzeitig eine heimliche sexuelle Beziehung zu einer Schülerin unterhält. Oder ein Osho, der hemmungslos seine paranoiden Wahnvorstellungen auslebt und dafür das Geld seiner Schüler verpulvert.



Welche Erwachten?
Weder Chögyam Trungpa oder Eli Jaxon Bear noch Gangaji sind erwacht.
Allerdings wüsste ich gern, was Dich zu der Behauptung veranlasst, Osho hätte seine "paranoiden Wahnvorstellungen" ausgelebt.

Lieben Gruß,
Gyan

#14 RE: Christian Meyer (2) von jochen 17.10.2010 16:45

Zitat von Gyan
Weder Chögyam Trungpa oder Eli Jaxon Bear noch Gangaji sind erwacht.Allerdings wüsste ich gern, was Dich zu der Behauptung veranlasst, Osho hätte seine "paranoiden Wahnvorstellungen" ausgelebt.




oha, da weiß aber wieder jemand ganz genau Bescheid.
Das erinnert mich ein bißchen an unsere Diskussion vor ein paar Jahren,
als du die NET-channelings in der Luft zerrissen hast und
gleichzeitig den CC gegen jede Kritik in Schutz genommen hast.

Zum Thema Osho ist ja jetzt eine interessante Diskussion im Gange:
http://www.connection.de/magazin...wegung.html

Das Märchen von dem klugen Osho und der bösen Sheela scheint Risse zu bekommen.
So einfach ist es eben manchmal nicht, mit der Schwarz-Weiß-Malerei.


lieben Gruß,
jochen

#15 RE: Christian Meyer (2) von philosophysical 17.10.2010 18:22

Die Dualität unterscheidet sich als Spiel immer deutlicher vom simplen „Ich bin einfach.“ Es scheint, als wolle jemand mit aller Deutlichkeit nochmals alle Konturen nachziehen, die unsere Welt formen, bevor sie verwischt werden und ganz verschwinden. Dadurch wirken auf mich Gegensätze derzeit so grell im Weltgeschehen. Die Gewissheit aber, dass das alles völlig substanzlos ist, dämpft wie Watte das schreckliche Ächzen und Stöhnen, das von den auseinanderdriftenden Fugen ausgestossen wird.

Was kümmert es mich, ob man den Schatten von Osho aufleben lässt. Hatte er eine Wahl? Und ist es nicht so, dass der erniedrigt wird, der sich eigenwillig erhöht?

Osho verkörperte für mich Die subversive Kraft schlechthin. Ich verschlang beispielsweise seine Bücher, als es bei mir darum ging die Begrifflichkeiten, woraus ich mein Leben zu stricken schien, einmal so richtig unter die Lupe zu nehmen. Punkt, für Punkt, bis ich zum Schluss kam: Das nimmt kein Ende! Osho kam nie wirklich auf den Punkt. Aber dafür kann er ja nichts und das kann man ihm nicht vorwerfen. Ich verbrachte jedenfalls viele amüsante Stunden mit ihm und auch beim Film „Guru“ musste ich eher Schmunzeln, als mich fragen, wer hat denn nun Recht?

PL

(PS: Im Film "Guru" hinterliess Sheela einen ganz besonderen Eindruck: Sie meistert ihr Leben nach Osho mit sehr viel Würde und genauso hingebungsvoll, wenn auch um einiges weniger verbissen, wie seit je. Tolle Frau!)

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