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#31 RE: Die (V)Er-Dicht-ung des Ewigen im Raum der Musik von waldmarie 20.11.2010 20:14

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Hirtenjunge, für mich spüre ich einen Barden in Dir

poetische Grüße von Waldmarie, die die Stille manchmal klingen hört

#32 RE: Die (V)Er-Dicht-ung des Ewigen im Raum der Musik von Hirtenjunge 24.01.2011 22:08

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Gregorio Allegri: Misere



Heute wieder einmal – in dieser seltsam sich ver-rückenden und verdichtenden Zeit – einen „musikalischen Bodenpfeiler“ in den Stürmen und Wirrnissen der Dinge, die über uns kommen … Diese Art von Musik trägt die Kraft in sich, mich zu erden, genauso wie sie mich mit dem „Himmel“, also mit Mir SELBST zu verbinden vermag. Denn jene menschlichen Geister, aus denen jene Musik einst erschaffen ward, waren von Hohem Licht und reine Kanäle – ohne dass sie es wussten …



Wie das schon unter diesem Thema Die (V)Er-Dicht-ung des Ewigen im Raum der Musik vorgestellte „Crucifixus“ ist auch das „Misere“ – „Herr, erbarme Dich“ (Psalm 50/51) ein über die Jahrhunderte der Abtrennung immer „schwerer“ gewordener Text, doch aus ursprünglichem sehr authentischen Seelenempfinden erstiegen … Die Komponisten nahmen diesen Geist wieder auf und gossen ihn in die Form der Musik …
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Folgende Versions beschauens-, weil nicht nur hörens- sondern auch „sehens“-wert dafür, weil es sich um „bewegte“ Bilder handelt – durch welche unmittelbar der „Klang-Raum“ wahrgenommen werden kann, in dem die verschiedenen sich in einfachen und dann ornarmierten Gesangsformen einander abwechselnden Chorgruppen – von gregorianischen Motiven in komplexe Polyphonie mündend und wieder in diese hinein zurückgehend (Palindrom) - hingebungsvoll miteinander acapella musizieren:
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Im 17. Jahrhundert war dieses „überirdische“ Werk Gregorio Allegris allein denjenigen Hörern vorbehalten gewesen, die sich in der Karwoche zu den morgendlichen (noch in der Dunkelheit) abgehaltenen Trauermetten in der Sixtinischen Kapelle Roms eingefunden hatten. Nur allein zu dieser kirchlichen Jahreszeit und in diesem sakralen Raum des Vatikans fand die Aufführung Allegris Schöpfung statt. Sie muss auf ungeheure Weise auf die Anwesenden gewirkt haben, sie in ihren Tiefsten schaudern gemacht und berührt und auf höchste erhoben haben … „Heiligkeit“ in dieser besonderen Wirkungskraft wollte bewahrt sein, so nimmt es nicht wunderlich, dass das Kopieren der Partitur und die Aufführung an anderen Tagen bei Strafe der „Exkommunikation“ (und für einen damals gläubigen Menschen bedeutete dies die „Übergabe“ in die „Gottesferne“ …) verboten war – und das „Misere“ Allegris tatsächlich umweht wurde von einer Kraft des Geheimnisvollen, die jene verspürten, die sich aus alten Tagen an die Klänge erinnerten oder nach welcher jene sich sehnten, die es erzählt, aber nie selbst zu Ohren bekommen hatten …

Bezeichnenderweise ist ausgerechnet durch das indirekte Wirken eines viele spätere Generationen geborenen „Himmelskindes“ – Mozart – dieser kirchlicher Bann wieder aufgehoben worden. 14jährig bekam Amadeus Allegris Misere in der Karwoche zu hören, tief beeindruckt bewahrte er sie in seinem Gedächtnis (!!) und brachte sie hernach auf Papier. Seitdem war der menschengemachte Mythos dieses Werks gebrochen, denn es wurde nunmehr an Orten auch außerhalb des Vatikans aufgeführt, aber seine wundersame und erfüllende „Heiligkeit“ und seinen berührenden, erhebenden, und doch Zu-Sich-Selbst-zurückbringenden Zauber hat dieses Werk bewahrt – und ich freue mich, Euch daran teilhaben lassen zu dürfen …

Der mit Musik sich selbst erfüllende Hirtenjunge

#33 RE: Die (V)Er-Dicht-ung des Ewigen im Raum der Musik von Hirtenjunge 24.01.2011 22:29

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Ach ja, wer kennt sie nicht, diese Bilder aus der Sixtinischen Kapelle:

#34 RE: Die (V)Er-Dicht-ung des Ewigen im Raum der Musik von Hirtenjunge 14.04.2011 02:47

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... Ich staune immer wieder, wie Musikvideos, die noch vor einigen Wochen im Netz waren, dann wieder von den Plattenfirmen "gekascht" werden. Nun denn, also als Alternative zur bisher vorgmerkten und angedachten Aufnahme der Bachschen Johannespassion, von der ich schon vor einiger Zeit etwas hineinstellen wollte, ein Mitschnitt eines japanischen Ensembles.






Sollte es vielleicht so sein, dass ich - jetzt - darauf stoßen musste?
Dessen konzertante Aufführung ist nicht nur makellos, sondern auch voller Hingabe und Feuer - als hätte es "europäisches", oder anders: "deutsches", oder noch genauer: "sächsisch(-wettinisches)" "Blut" in sich aufgesogen ...

Nicht ohne Grund sind der Dresdner Kreuzchor (welcher übrigens durch ein jüngstes Benefizkonzert allein 10000 Euro den Hilfswerken für Japan zur Verfügung stellte) und der Leipziger Thomanerchor auf der fernen Insel stets "Hausgäste" ...

Uns beiden so eigenen Völkern ist so manches gemeinsam...

Sei's drum, an einer Aufführung dieses Werkes durfte ich vor zwei Wochen als chorischer Bassist mitwirken ... einfach grandios ... doch ausführlicher dazu später ...

erstmal fühle ich mich so, wie es Gegenstand dieses Textes ist ...

Alles scheint sich in letzter Zeit zu überschneiden ...

Der in die "Passion" "hineingeworfene" Hirtenjunge

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Aktualisierung 17.10.14: Bin gerade beim Durchstöbern meiner alten Beiträge. Interessant, wie das Blatt sich wendet. Ausgerechnet das, was ich als Alternative hereingesetzt hatte, ist inzwischen wieder aus dem Netz genommen worden, indes ich wieder auf eine "rustikale" Aufnahme aus unserem musikalischen Raum gestoßen bin ... und deshalb hier noch einmal hereinsetze:



Die gesamte Bachsche Johannespassion unter dem legendären Harnoncourt hier:


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#35 RE: Die (V)Er-Dicht-ung des Ewigen im Raum der Musik von Hirtenjunge 23.08.2011 02:52

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Die Zeiten verrinnen, sie vergeh'n. Doch was sind '"Zeiten"?

Zum "Verrinnen" gehört in diesen "Zeiten" das einfache und schlichte LOSLASSEN. Und je einfacher es formuliert wird, umso schwieriger entpuppt es sich im alltäglichen Lebensvollzug.
Nun gehöre ich zu den "Konsorten", welche sich in einem Forum wie diesem erst dann zu Wort melden, wenn sie es "für sich" inzwischen "auf die Reihe bekommen" haben (altes Einzelkämpfertum...).

Und dieses "Auf-die-Reihe-bekommen-Haben" ist ein sich fortwährender Prozess: früher des "Mit-sich-selbst-aus-der-Unwissendheit-Ringens", und jetzt des "Was-ich-ohnehin-schon-WEISS-in-die Gegenwart-gelebten-Lebens-hineinholend-und-LEBEND-Seins"...

Und in der Tat, das GEFÜHL von ANGEKOMMENSEIN, was ich schon weit eher hatte, dehnt sich aus, erweitert und vertieft sich.

Und jenes wundervolle Gefühl von DANKBARBEIT, das mich durchwallt und durchflutet, wird stetig größer. Es klingt wie ein Witz, aber ich bin dankbar, weil ich Dankbarkeit fühle - ein ganz anderer Kreislauf, als den man ihn unter den "Teufelskreis" kennt ... Und dies ist wie eine Droge, ohne eine genommen zu haben. ES geht durch mich hindurch, und ich sehe mich in meinem Körper - als GEIST - und FEIERE mich dafür, dass Ich WESEN mich im materiellen HIER und JETZT - verkörpert - erleben darf. Welch Gnade. Welch Heiligkeit. Welch MITGEFÜHL - in welchem ich auf einmal in der Tat mitschwinge nicht nur mit der Erfahrung Meiner Leben, sondern mit der ESSENZ d e r menschlichen Erfahrung schlechthin.

Geheiligt SEI das LEBEN!

Seit meinem zwölften Lebensjahr kenne ich die "Vier Jahreszeiten" von Antonio Vivaldi. Damals lief es auf einem Mono-Recorder als Kassette hoch und runter. Inzwischen darf ich dieses Werk auf einer Hi(gh)-Fi(delity)-Anlage hören, wo ich vermeinen könnte, dass ich im Orchestergraben oder auf der ersten Reihe im Konzert sitze. Dieses Werk ist voller einzigartiger Lebendigkeit und Visualität. Ich verzichte bewusst auf aus meiner eigenen Wahrnehmung fließender "palavernden" Üppigkeit und lade Euch herzlich dazu ein, dieser Musik mit geschlossenen Augen zu lauschen - neu, offen, unfestgelegt, erwartend ... und die inneren Bilder werden von selbst aufsteigen ...

Der in Dankbarkeit sich erdankende Hirtenjunge

#36 RE: Die (V)Er-Dicht-ung des Ewigen im Raum der Musik von Hirtenjunge 23.08.2011 03:07

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(in meiner geliebten Sächsischen Schweiz mit Blick auf Hinterhermsdorf vorvorgestern aufgenommen)

#37 RE: Die (V)Er-Dicht-ung des Ewigen im Raum der Musik von viola-annai 24.08.2011 13:13

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Lieber Hirtenjunge,
so wie du von der sächsischen Schweiz schreibst, so drücke ich mich öfter auch aus,
was das Münsterland betrifft.
Ich werde auch noch mal die Schweiz bereisen . .
Witzig auch dazu das matrosenoutfit . . E
ein musikalisches Foto . . lach . .

Liebe Grüße von
Viola

#38 RE: Die (V)Er-Dicht-ung des Ewigen im Raum der Musik von Hirtenjunge 05.09.2011 02:01

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Dann Du so einst einmal bereisen solltest, liebe viola-annai, die Sächsische Schweiz, so gib ein Zeichen, und ich werde Dir ein paar Tipps geben für die wahren Geheimnisse dieser Region jenseits des Massentourismus, und ich wäre mir auch nicht zu schade – ganz im Gegenteil - mich persönlich für eine „Führung“ zur Verfügung zu stellen.

Hier zwei Fotos, welche in ihrer Art den Zauber dieser Welt spiegeln. Doch in der Tat, auch das beste Panorama-Foto kann das ERLEBNIS vor Ort nicht ersetzen.













Mit dem landschaftlichen Reiz der SS ist auch verbunden der Aufbruch der deutschen Romantik. Caspar David Friedrich verbrachte in manchen Klammen, Schlüchten und auf Felsenriffen fernab von seinem Atelier in Dresden viele Tage, um diese schweigsame Stimmung und schauerliche Andächtigkeit in aller Ruhe in sich einsaugen zu dürfen.

Jenes Bild von ihm, zwar etwas, was die Hintergrundberge betrifft, überzeichnet, und doch den „Geist“ treffend, ist auch in meiner Wohnung anzufinden, "Der Wanderer über dem Nebelmeer":




Der be-SCHAU-erte Hirtenjunge

#39 RE: Die (V)Er-Dicht-ung des Ewigen im Raum der Musik von Hirtenjunge 05.09.2011 03:31

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Aber ich werde doch nicht vom Thema des einmal von mir eröffneten Musik-Reigens abkommen. Wenn schon ein Hinweis zwischendurch, dann doch unweigerlich noch eine geistlich-musikalische Weinbrandbohne, Abendmesse (und das sage ich als „konditionierter Protestant“) oder entspannte Mit-Sich-Selbst-Eins-Runde, wie es sich gebührt.

Ja, es gibt sie, jene Musik, die wirklich zu verwandeln vermag, wenn sie erklingt. Auch lange nachdem ich sie zum ersten Mal zu Gehör bekam, versetzt mich bewusst und andächtig Lauschenden jedes Mal aufs neue -und doch stets anders – die Marienvesper Monteverdis in einen Zustand tiefen Berührt- und weiten Erhabenseins.

Es sind energetische Schwingungen, in Töne gegossen, welche das Herz in Bewegung versetzen und vor Freude und dankbarer Ehrfurcht überfließen lassen, indes der Brustraum in unergründlicher Resonanz vibriert.

Wir leben jetzt am Ende der Zeit, da alles seine Bestimmung findet:
die Transzendierung des verkörperten menschlichen Seins durch die Immantisierung von ZUHAUSE – die Erhebung des Menschen durch die Heimholung des Göttlichen.

Und in der Tat, eine solche sakrale Musik aus der Dichte der „dunklen“ Jahrhunderte tiefster Dualität vermag mir ein GEFÜHL von diesem Gegenwärtigen Heiligen Prozess in einer Intensität zu geben, wozu moderne „spirituelle“ (Entschuldigung: „keyboardgeschwängerte“) Klangmelodien nicht in der Lage sind. Natürlich spielen hier auch meine eigenen Seelenanteile und präinkarnativen energetischen „Erinnerungsfelder“ eine Rolle, die in besonderer starker Weise dazu in Resonanz gehen.

Wie dem auch sei, ein großariges Meisterwerk! Die beste CD-Aufnahme ist meines Erachtens die des Dresdner Kammerchors unter Rademann (Raumklang-Label), aufgenommen im Dom der Albrechtsburg zu Meißen (http://www.amazon.de/Vespro-della-Vergin...15183008&sr=1-1)


Folgende youtube-Links sind Aufnahmen einer Gardiner-Version aus den 80ern original aus dem Markus-Dom in Venedig. Tonqualität ist nicht berauschend, dafür umso eher die (wenn auch sehr verwaschenen) bewegten Bilder „lebendiger“ Solisten. Eine Augenweide, diese Hingabe in den Gesichtern – neben ihrer ungeheuren Professionalität. Und der Raum dieser Stätte wurde auf eine Weise mit einbezogen, wie sie es der Meister einst selbst intendiert hat.













(Das waren Teil 8, 9 und 4, die anderen - bis 10 - , außer Sperrung wegen Sony Entertainment 3 und 5, hier verlinkt:
http://www.youtube.com/watch?v=WQCOr8UiS7I&feature=related
http://www.youtube.com/watch?v=QXUR59duxxU&feature=related
http://www.youtube.com/watch?v=7QFko276-ww&feature=related
http://www.youtube.com/watch?v=fWUp1mXLQCo&feature=related
http://www.youtube.com/watch?v=2n85j6O8nIU&NR=1)


(Bearbeitung 8.4.2014: Teil 3 und hier: https://www.youtube.com/watch?v=H-VpfM5Ss9Q - https://www.youtube.com/watch?v=H-VpfM5Ss9Q)



Diese Musik Claudio Monteverdies (vor 401! Jahren uraufgeführt) macht es mir jedenfalls noch einmal deutlich: Unsere „Erhöhung“ findet durch „SEINE“ GNADE statt. Ja, in der Tat, wir steigen auf, doch es ist nicht unser Verdienst. Das einzige, wozu wir beitragen, ist der radikal und absolut und konsequent durchgeführte Entscheid, uns zu ÖFFNEN. Mehr ist es nicht. Aber auch nicht weniger. Das Einfachste und Billigste erweist sich für uns als das Schwierigste. Denn wir sind es gewohnt zu ringen, zu kämpfen, zu behaupten, zu verteidigen, zu schützen … zu bestätigen, zu rechtfertigen, zu beweisen … und gehen wir erstmal einen neuen Weg, kommt das alles durch die Hintertür wieder herein. Seminare, Meditationskurse, Kongresse, Aufklärungs-Sitzungen ... Alles für sich elementar, doch ebenso auch eine Gelegenheit für diesen Teil in uns, jene geistigen Errungenschaften für sich zu vereinnahmen, in Beschlag zu nehmen und zu korrumpieren …

… Es bleibt dabei, es i s t GNADE, Sie kommt herein, sie w i l l als Der HEILIGE GEIST hereinkommen. Unser einziges, aber ALL-einiges Verdienst ist es, den Schlüssel an der Tür zu bemerken und herumzudrehen … In diesem Moment von Totalität der Aufgabe (des Egos), Hingabe, des Los-und Sich-Fallen-Lassens liegt die Gnade der Erfahrung von Aufgefangen, Um-, Geborgen- und Erfüllt-SEINS, in der TAT!

Der umborgen, geborgen erfüllte Hirtenjunge




Hier eine komplette Aufnahme Gardiners aus jüngerer Zeit - in HD-Qualität:

#40 RE: Die (V)Er-Dicht-ung des Ewigen im Raum der Musik von Anonymous 06.10.2011 05:53

Ajao, lieber Hirtenjunge,
ich dank Dir von Herzen für diese einmalige Musik, die mir auch so ganz besonders zu Herzen ging, irgendwie vermisse ich hier die Musik im Allgemeinen,,,,,,,,,,,,
alles Liebe
heide

#41 RE: Die (V)Er-Dicht-ung des Ewigen im Raum der Musik von Anonymous 06.10.2011 06:03

Ehm, ich meinte Tomas Tallis, ich kannte ihn vordem noch ncht, herzlichte Grüssli aus Magdeburg
Dankefein

#42 RE: Die (V)Er-Dicht-ung des Ewigen im Raum der Musik von Hirtenjunge 18.10.2011 19:20

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Musikalische Weckrufe und Heiligungen in den Energien der End-Zeit


Seit einigen Tagen steigt merk-würdig-erweise in gewissen Abständen, sei es auf Arbeit oder beim „Räumen“ (siehe f29t5221-punkt-fuer-punkt.html), aus meinem Inneren ein vertrautes Klanggefüge empor, das ich auch sofort vor mir her summen oder intonieren muss. Das „Kyrie“ aus Johann Sebastion Bachs Hoher Messe in h-Moll und, dahinein mündend, der Eingangschor aus der Johannespassion Bachs. Diese Melodien scheinen aus dem „Nichts“ in mir wachgerufen zu werden – sie werden auch nicht durch andere Einflüsse überlagert, da ich kein Radio höre und auf Hifi-Anlage und TV-Gerät nur für bewusst ausgewählte Musik und Filme zurückgreife.
Heute habe ich noch einmal frei und wollte den Nachmittag eigentlich für die Aufarbeitung angehäufter Zeitungsartikel nutzen, doch ich kann nicht anders als dem inneren Drängen nachzukommen, über diese „innere“ Musik zu schreiben, indes das Licht der Vorabendsonne über dem Wald mein Zimmer flutet.

Geht dem Eingangschor der Johannespassion (welche ich als chorischer Bassist in diesem Jahr mitsingen durfte) ein ausgedehnter Intrumentalteil voraus, bricht gleich zu Beginn der Hohen Messe das „Kyrie“ – „Herr, erbarme Dich“ hinein, erst danach entfaltet sich die fugische Verarbeitung des Themas. Mit ungeheurer tonaler Wucht und lyrischer Eindringlichkeit wird der Hörer von der Intonierung des „Kyrie“ umwoben und durchdrungen. Dramatische, sich vertiefende und erweiternde Intensität und schwebendes, lyrisches Innehalten und Umkreisen sind jene sich gegenüberstehenden, einander ergänzenden und überlagernden musikdramaturgischen Pole, welche das gesamte Werk durchziehen und dynamisieren. Nicht umsonst gilt die h-Moll-Messe als das „Vermächtnis“ des sakralen kompositorischen Schaffens Bachs. In ihr vereinte er die Essenzen seines Lebenswerks, das dem „Dienst an Gott“ galt, durch seine Musik das Evangelium den Menschen hörbar und erlebbar zu machen.

Nicht ohne Bedeutung für das Erlebnis und das „Durchkommen“ der h-Moll-Messe beim Hörer ist die Art der Interpretation. Es gibt viele Aufnahmen, die mich nicht befriedigen, bei denen das Gewicht eher auf Technik und Artistik bzw. auf eine s.g. „historisierende“ Aufführung liegt als auf Ausdruck des dem Werke zugrundegelegten Geistes. Entgegen dem derzeitigen Trend gehöre ich zu denjenigen, welche in der romantisierten Aufführungspraxis die ausdrucksmäßige Vollendung der h-Moll-Messe begreifen. Diese Interpretationsart ist seit dem Tod von Karl Richter (Gründer und Leiter des Münchner Bachchores) 1981 zunehmend abgelehnt und „verpöhnt“ worden. Auch im klassischen Bereich begann sich nun eine vordergründige artifizielle Art von Werkrezeption durchzusetzen. Wenn wir bei der Messe bleiben, gibt es z. B. Aufnahmen, die in raschen Tempi und tänzerischer Flockigkeit durch die Partitur eilen. Nein, diesem Werk gebührt eine Ernsthaftigkeit und durchaus ein in weiten Bögen sich erstreckendes „Verweilen“, das dessen tiefgehender Sakralität angemessener ist.

Deshalb an dieser Stelle nun die Präsentation der h-Moll-Messe in der Interpretation Karl Richters.

(Die Art dieser Intonierung ist mir vertraut von einer Aufnahme des Dresdner Kreuzchores unter Rudolf Mauersberger (weiter oben und an anderen Orten im Forum bin ich bereits auf ihn eingegangen: Der 13. Februar 1945 in Dresden) aus dem Jahr 1958. Das nimmt auch nicht wunder, Karl Richter ist in Sachsen aufgewachsen (entstammt einer traditionsreichen Pfarrer- und Kantorenfamilie im Erzgebirge) und war Kruzianer unter Mauersberger. Selbstverständlich sind das alles prägende Faktoren für ihn gewesen.)





Immer wieder aufs neue zieht mich diese Musik, in der Tat, mit Eindring-lichkeit in ihrem Bann. Tief bewegend. Bewegung erzeugend in meinem Brustraum-Inneren: Branden, Tosen, Wallen, Pulsieren, Schweben, Weiten …


Doch zurück zu meinen einleitenden Worten. Weshalb steigen diese Melodien ohne äußeren Anlass plötzlich immer wiederkehrend in mir auf? Docken sie aus einem ganz bestimmten Grund in mir an, weil ich in irgeneiner Art und Weise für etwas ganz bestimmtes empfänglich bin?


Die Welt trudelt dem Abgrund entgegen, in den sie sich fallen lassen muss, um aufgefangen und emporgehoben zu werden. „Herr, erbarme Dich“ ist nicht die Klage des sich „Gott“ Unterwerfenden, sondern die sehnsuchtsvolle Bitte des sich Gott Hin- und Über-Gebenden. Jetzt wirbelt so vieles durcheinander, Verwirrung, Ohnmacht und Angst durchziehen die kollektiven Bewusstseinsenergien. Dieses „Kyrie“ ist ein Ruf, eine Einladung des Höchsten und zugleich die unausgesprochene Sehnsucht der „Unerwachten“. Im bewussten Einlassen auf jene innere Haltung des Kyrie „geschieht“ es – das Hereinkommen des heilenden (ganz-machenden) heilig(enden) GEISTES. Im Zurücktreten, Zulassen, Loslassen, Sich-Fallenlassen aus bedingunslosem VERTRAUEN heraus „darf“ GNADE wirken.

Und wie ich es bereits weiter oben beschrieben habe, ist es jene Musik aus alter Zeit, welche dieses Geschehen in meinem Inneren erlebbar und nachvollziehbar macht.

Aus der Erfahrung, auf die Bereitschaft und den Vollzug des Sich-Fallen-Lassens hin Aufgefangen worden zu sein, erwächst tiefer inniglicher und jubelnder nach oben steigender Dank, der sich in einem „Gloria in excelsis Deo“ (Ehre sei Gott) zum Ausdruck bringt und schließlich in einem „In terra Pax“ (Und Friede auf Erden) erdet …





... und sich ausweitet in die ehrfürchtige und andachtsvolle (Selbst-)Wahr-nehmung der Menschwerdung des GEISTES (Et incarnatus est), symolisiert durch das Kreuzesgeschehen (Crucifixus):





… und jene Wahrnehmung ist es, aus der heraus das Alles weihende und erhebende „Heilig, heilig, heilig ist der Herr“ (Sanctus) strahlend emporströmt:





Die Messe schließt den gewaltigen Bogen mit dem „Dona nobis pacem“ (Verleih uns Frieden, ab 6.50 min), in das der Hörer sich fallen lassen darf, um es genau noch einmal zu erfahren: aufgefangen, getragen, emporgehoben und in das HERZ des GEISTES, der SCHÖPFUNG hineingenommen und –geweitet zu werden:





DAS ist MUSIK!!!

Welch ein Jubel, welch eine Weihe, welch Größe, welch Tiefe, welch GNADE, welch FÜLLE, welch Glückseligkeit!

HERR-lich, HERR-lich, HERR-lich – Der Ich (- auch - der Hirtenjunge) BIN!

AMEN

#43 RE: Die (V)Er-Dicht-ung des Ewigen im Raum der Musik von Hirtenjunge 18.10.2011 19:41

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PS:
Hier noch einmal die h-Moll-Messe vollständig in der richtigen Reihenfolge:


http://www.youtube.com/watch?v=mslUQBWeOAM
http://www.youtube.com/watch?v=IuQcCdiLJFc&feature=related
http://www.youtube.com/watch?v=QtfW0I4kN10&feature=related
http://www.youtube.com/watch?v=AFBqdeZWYvA&feature=related
http://www.youtube.com/watch?v=2nOlGgLWylk&feature=related
http://www.youtube.com/watch?v=aGKzTXb0aMQ&feature=related
http://www.youtube.com/user/SoliDeoGlori.../29/9bUM3kxLWpA
http://www.youtube.com/user/SoliDeoGlori.../30/ax8ea4KL5-0
http://www.youtube.com/watch?v=nnN1c2B1IHM&feature=related
http://www.youtube.com/watch?v=ZDNKBo9TKWA&feature=related
http://www.youtube.com/user/SoliDeoGlori.../33/MYzyQ7roCyk
http://www.youtube.com/watch?v=eiivuGkz8Ok&feature=related
http://www.youtube.com/watch?v=ChLcbyfZAzk&feature=related
http://www.youtube.com/watch?v=tcgArAqfJXU&feature=related


Der ver-Bach-te Hirtenjunge


Hier die Gesamtaufnahme:


#44 RE: Die (V)Er-Dicht-ung des Ewigen im Raum der Musik von Hirtenjunge 17.11.2011 00:55

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Frank Martin - In Terra Pax



„Da das Lamm das erste Siegel brach…“

Worte, die über die Offenbarungsschriften des Neuen Testaments und alter Texte alttestamentlicher Prophetie auf uns gekommen sind.

Frank Martin verwandte jene Worte 1944, 1945 uraufgeführt, um der „Zeitqualität“ Ausdruck zu verleihen. Merk-würdigerweise aktueller als jemals zuvor.

Diese Musik ist in der Tat „anstrengend“. Kein „Heidi-Fari“ in wohltönendem „Keyboard-Klang“. Es ist eine höchst anspruchsvolle chorisch-konzertante Verarbeitung des ewig-alten Themas. Desto mehr ich mich gelöst hatte von der „alten Energie“, umso mehr empfand ich meine jeweils eigene Verbundenheit zu dieser. Eben, um diese nicht „unwirsch“ abzulegen, sondern in Ehrung und Würdigung jene – in dankbarem VEREIN aus meiner erkannten SEELE heraus - zu „zelebrieren“. Vielleicht geht es „am Ende der Zeit“ um nichts anderes. Im „Zurück“ wird nunmehr nicht ge-borgen ein „Ein“-, sondern ein „Aus-„dämmen. Zum IST gehört die totale Annahme auch des „Alten“, nur in dessen Schoß das NEUE sich aus sich Selbst heraus gebiert. Und so ist es.


Der BAUM besinnt sich – indes Er seine Baumkrone in die Himmel des KOSMOS hinaufreckt – Seiner tiefgreifenden WURZELN. Und wahrlich, in der Tat, DAS I S T S E I N, das Sich Seiner Selbst – „endlich“ – am „Ende der Zeiten“ b e w u s s t wird.

Und der Abenteuer warten alsbaldigst viele auf uns …

Ich stellte dieses Werk ins you-tube-Netz, weil es die Komplett-Aufnahme dafür noch nicht gab. Ich bedauere den Qualitätsverlust, den ich von CD über die jeweiligen PC-Programme (meines alten Klapprechners) hinnehmen musste. Für den Hifi-Puristen in der Runde wird der Klangverlust spürbar sein. Es ist, wie es ist. Ich selbst höre diese Musik jetzt gerade noch einmal über meine satte Anlage, indes ich vor 5 Jahren in meiner Heimatstadt und jüngst vor zwei Wochen als „Aushilfe“dieses Werk als Chorist mitsingen durfte.

Ermürbend. Vertiefend. Erhebend. Erhaben. Füllend. Ankommend. Seiend. SEIN.

Der SEIende Hirtenjunge






So, und nun einmal in der Reihenfolge - viel Freude beim "Verstört, sich-selbst-Wiederfindens, Auseinandersetzens- und AngekommenSeins":


















#45 RE: Die (V)Er-Dicht-ung des Ewigen im Raum der Musik von Hirtenjunge 06.12.2011 22:48

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Advent - lat. adventus - Ankunft.

ANKUNFT des HERRN. Eine Zeit der Besinnung, Innekehrung, Vorbereitung und Wegbereitung.

Jetzt wissen wir, dass wir es selbst sind, die Unserem SELBST, GOTT IN UNS, den Weg seiner Ankunft, Geburt und Entfaltung bereiten.

In diesem Licht und aus diesem heraus lässt sich umso inbrünstiger aus ganzem Herzen feierlich-andächtig das alte Adventslied singen:


Macht hoch die Tür, die Tor macht weit!
Es kommt der Herr der Herrlichkeit,
ein König aller Königreich,
ein Heiland aller Welt zugleich,
der Heil und Leben mit sich bringt.
Derhalben jauchzt, mit Freuden singt:
Gelobet sei mein Gott, mein Schöpfer reich von Tat

...


Wunderschön in durchvariierter Weise aufbereitet vom großen Kreuzkantor Rudolf Mauersberger anlässlich der traditionellen Christvesper, strahlend und jubilierend vom Kreuzchor aufgeführt.







Der adventlich eingestimmte Hirtenjunge in seinem adventlichen Heime




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