#1 Cinnamons Glossen von Kinnamon-Ines 29.01.2010 09:18

Ihr Lieben,

hier wird bald gebaut; ich möchte nur schon mal den Bauplatz markieren...

Ich habe jede Menge Ideen und witzige und ernstere Überschriften, aber die Texte dazu wollen erst noch hereinkommen, ich kann jetzt nicht sagen, wann der erste erscheint. Vielleicht heißt er dann:

"Über Frösche (im Hals) und (verschluckte) Kröten". Das hat mit Husten, Heiserkeit und Magenbeschwerden zu tun (meinen eigenen, und vielleicht auch im Allgemeinen...)

Cinnamon

#2 RE: Cinnamons Glossen von Antalia 29.01.2010 13:30

Liebe Cinnamon

in den letzten Tagen saß mir auch ein Frosch im Hals Bin sehr gespannt auf deine Glossen.

herzlichst

Antalia

#3 RE: Cinnamons Glossen von Kinnamon-Ines 30.01.2010 21:49

Liebe Antalia !

Ich freue mich sehr, dass du auf meine Glossen gespannt bist! Jetzt im Moment finde ich allerdings meine Vorankündigung ein bisschen übereilt... Ich hätte lieber damit warten sollen, bis ich diesen gegenwärtigen Prozess von voraussichtlich 21 Tagen (bis zum 10. Februar) durchlaufen habe, der alle meine Kraft beansprucht. Insgesamt sieht alles sehr gut aus, aber eben - zumindest momentan noch - äußerst anstrengend. So kann ich also in keinster Weise voraussehen, wann ich nun tatsächlich die erste heitere Glosse schreiben kann!

Ich bitte also dich und alle anderen, die vielleicht auch gerne etwas über gewisse Frösche und Kröten lesen würden, noch ein bisschen Geduld zu haben!

Alles Liebe
Cinnamon

#4 RE: Cinnamons Glossen von fräulein rottenmeier 30.01.2010 22:10

Prozess von 21 Tagen - nicht etwa jener, wo es darum geht, nie mehr zu essen?

es grüsst, neugierig
ihr
fräulein

#5 RE: Cinnamons Glossen von Kinnamon-Ines 31.01.2010 09:48

Nein, liebes Fräulein, es geht nicht ums Nicht mehr Essen. Es ist ein ganz persönlicher Prozess, von dem ich aber kurioser Weise genau weiß, dass er ebenfalls genau 3 Wochen dauert. Du findest Näheres auf meiner Homepage (Link siehe unten) in dem Blog "Mein Journal". Ich habe nach 28 Jahren Einnahme von Neuroleptika wegen einer sogenannten Psychose am 21. Januar, meinem Namenstag (Agnes), das Medikament "Abilify" abgesetzt und rein "zufällig" sind es bis zu meinem 61. Geburtstag am 10. Februar genau 21 Tage. Ich erfahre sie als Weg in die Einheit, der aber ganz schön herausfordernd ist, da ich in ganz geballter Form mit meinen Opferenergien konfrontiert werde, die noch in meinem Körper gespeichert sind, und da ich unzählige Aspekte zu integrieren habe, die zum Teil sehr destruktiv sind. Das hat natürlich eine lange Vorgeschichte, dieses Absetzen des Medikamentes gerade jetzt, und ich hatte gute Gründe, es genau jetzt anzugehen! Es wird auch nochmal ein kleines Buch daraus geben, in dem ich die 21 Tage, gespiegelt in dem Blog, abdrucke und dazu meine Vorgeschichte zusammenfasse.

Liebe Grüße
Cinnamon

#6 RE: Cinnamons Glossen von fräulein rottenmeier 31.01.2010 12:44

ich wünsche Ihnen "bon courage" auf Ihrem Weg!

herzlich
ihr
fräulein

#7 RE: Cinnamons Glossen von Kinnamon-Ines 04.02.2010 22:01

Ihr lieben Leut
Ich geb euch heut
Schon mal was Altes
Doch noch nicht Kaltes
Aus meiner Glossen
Produktion -
Vielleicht freut's euch schon?

Engel der Einfalt


An einem Samstagabend im Frühling 2007 ging ich alleine durch unsere Kleinstadt spazieren. In flottem Schritt, aber langsamer als in dem Walking-Tempo, das mein Mann immer vorlegt, wenn wir gemeinsam unterwegs sind. Ich genoss das Maigrün im April, das schon fast alle Bäume schmückte und freute mich über das allenthalben an den Gartenrändern sprießende „Unkraut“ in Gestalt von sonnengelbem Löwenzahn, frischen Brennnesseln oder jungem Gras, das vorwitzig zwischen Rindenmulch hervorlugte. Einzig ein Garten am Parkrand stach durch seine Sterilität hervor: Hier hatte jemand viele Stunden, vielleicht sogar Tage investiert, um nicht nur im Garten, sondern auch außerhalb des Gartenzauns am Wegrand alles auszurotten, was nicht die erwünschte Zier- oder Nutzpflanze war. Und alles war fein sorgfältig gehackt und geharkt, sodass der Erdboden schön ordentlich in feiner Krume den Betrachter ergötzte. Mich nicht. Ich glaube auch nicht, dass die Besitzer dieses Gartens rechte Freude daran haben. Wahrscheinlich sieht es in ihrem Haus entsprechend aus – alles muss genau am vorgeschriebenen Platz liegen und stehen, und Staub auf den Möbeln und Krümel auf dem Boden unterm Esstisch werden gnadenlos und immer weggesäubert, sobald sie ansatzweise sich zu manifestieren versuchen… Kann da Freude, oder gar Spaß am Leben aufkommen? Ich weiß nicht so recht…

Ich bog in den Weg ein, der zu unserer Siedlung führt, vorbei an schmucken Eigenheimen und weiteren Gärten, und dann lagen rechter Hand ein paar Äcker, die sicher auch bald weiterer Bebauung Platz machen sollen. Da fiel mein Blick auf einen älteren Mann. Also nein, ein älteres Kind in Gestalt eines Mannes – wahrscheinlich ist er um die fünfzig Jahre alt. Ich kenne ihn: Er ist einer der Bewohner des Heims für sogenannt Geistig Behinderte, das in diesem „Känguru-Viertel“ („kleiner Beutel – große Sprünge“, wie der Volksmund hier sagt) erbaut wurde. Das große Kind, hochgewachsen, schmalschultrig, mit langem, schmalen Gesicht und den lieben Augen, die sie alle haben, die in dieser Einrichtung als zu Betreuende leben, hielt eine kleine digitale Videokamera in der Hand, deren Sucher er auf den asphaltierten Boden des Gehweges gerichtet hatte. Ich habe keine Ahnung, was er da durch seinen Display beobachtete, es muss sehr klein gewesen sein, vielleicht ein Käfer, oder eine kleine Spinne, oder auch nur ein Stück „Dreck“, dessen Form ihn faszinierte. Aber dann dieses selige Lächeln, dieses liebevolle Lächeln in seinem Gesicht! Diese Freude, dieses Staunen, wirklich wie bei einem ganz kleinen Kind, das etwas Neues, noch nie Entdecktes, Wunderbares zum ersten Mal sieht! Der kleine große Junge nahm mich anscheinend kaum wahr, als ich an ihm vorbeiging, obwohl jeder dieser „Behinderten“ jeden Passanten jedes Mal sehr freundlich grüßt, der ihm oder ihr begegnet. Sie lächeln wirklich jeden so von Herzen an, dass man nicht umhin kann tief berührt zu sein, wenn man denn bereit ist, sich berühren zu lassen. Aber heute war der ältere Mann so absorbiert in seine Beobachtung, dass er mich nicht grüßte. Und ich grüßte ihn auch nicht. Sollte ich deswegen ein „schlechtes Gewissen“ haben? Ich glaube nicht. Ich hätte ihn nur gestört.

„Geistige Behinderung“… Ist das wirklich „geistige“ Behinderung? Was nicht besonders gut funktioniert bei diesen Menschen, das ist doch gar nicht der GEIST, sondern der Intellekt. „Geistig Behinderte“, „Mongoloide“ (jaja, der Ausdruck ist nicht „politisch korrekt“, aber hinter vorgehaltener Hand verwendet ihn jeder), „Idioten“ dieser Art haben einen ziemlich niedrigen IQ, nach der herrschenden Definition jedenfalls. Intelligenz wird in unserem gesellschaftlichen System nach Punkten gemessen und auf der Grundlage von Tests, die verschiedene Fähigkeiten des Intellekts abfragen. Da fällt so einer, oder so eine, natürlich mit Pauken und Trompeten durch. Vielleicht hat mein Freund mit der Kamera einen IQ von 50. Oder auch von 30. Aber dafür verstrahlt er LIEBE! Und zwar Liebe zu ALLEM WAS IST, nicht nur zum unbekannten Mitmenschen, den er auf der Straße trifft, sondern Liebe zum kleinen Käfer, zur kleinen Spinne oder auch zum seltsam geformten Stück „Dreck“ auf dem Weg… Für mich ist dieser Mensch mindestens genauso intelligent wie Alexander von Humboldt oder Charles Darwin, denn er hat es nicht nötig, andere Kontinente zu erforschen und gelehrte Bücher darüber zu schreiben. Er geht auf Entdeckungsreise im Umkreis von vielleicht einem Kilometer um sein Behindertenheim herum, und er sieht viel, viel mehr als wir “Normalen“, das möchte ich wetten! Und weil er nicht in der Lage ist, Bücher zu schreiben und akribische Zeichnungen anzufertigen, hält er seine Entdeckungen mit der Videokamera fest. Dabei hat er bombensicher mindestens so viel Freude wie jeder andere Hobbyfotograf, auch wenn seine Bilder nicht „künstlerisch wertvoll“ nach der allgemeinen Auffassung sein sollten. Gewiss sind seine „Objekte“ nicht im Goldenen Schnitt platziert, und über die „Bildaussage“ macht er sich keine Gedanken. Aber er geht auf Entdeckungsreise und er hält seine Entdeckungen fest, nicht anders als Alexander von Humboldt oder Charles Darwin. Und er ist noch mehr als sie das KIND, das das Staunen nie verlernt hat, weil ihm kein „kritischer Verstand“ dabei im Wege steht. Er ist ein-fältig im wahren Sinne des Wortes: nämlich nicht aus der EINHEIT gefallen. Ein echter Engel also!

Schade, dass solche Einfalt bei uns als Behinderung gilt. Und dass wir den Intellekt, den Verstand, mit dem GEIST gleichsetzen, der so unendlich viel mehr als das ist… nämlich ALLES WAS IST…

Wer, so frage ich mich heute, sind eigentlich die wirklich „Behinderten“?

Cinnamon
Ines

#8 RE: Cinnamons Glossen von Apfelblüte 05.02.2010 09:48

Liebe Ines,

ja, das ist so etwas mit den so genannten Behinderten. Meine Erfarhrung erstreckt sich vor allem auf Körperbehinderte - meine Mutter war es von Kleinkind an. Aber mit Menschen mit Trisomie 21 (so haben wir es im Biologiestudium gelernt - aber du hast Recht, alle sagen nur Mongoloide) habe ich auch öfter Kontakt gehabt und zwei Erlebnisse sind ganz präsent. Das erste war in einem Urlaub - ich glaube 1973 in Bruck am Großglockner. Da kam ein Bus mit Frauen in unseren Gasthof, ich glaube irgendeine katholische Frauengemeinschaft. Einziger Mann: der mongolide Sohn einer der Frauen. Abends gab es Tanz. Der junge Mann schwenkte mit Begeisterung die älteren Frauen, eine nach der anderen, durch den Saal. Die Frauen strahlten alle und meine Mutter, die das Ganze beobachtet hatte, meinte, der habe aber ein Gespür für Musik. Ja und er strahlte reine Lebensfreude aus.
Die zweite Episode war erst vor knapp drei Jahren. Da hatte mich ein Freund zu seinem Geburtstag eingeladen. Was ich nicht wusste: seine Schwester hat ein kleines Mädchen mit Trisomie 21. Seltsamerweise waren es Zwillinge, der Junge ist gesund. Das Mädchen hatte an dem Tag Bauchweh, sagte aber nichts, klagte auch nicht, verzog nur ab und an das Gesicht, als wolle es weinen, was es aber nicht tat. Aber immer wieder blickte es zu mir - die für es doch Fremde - und lächelte mich an, trotz Schmerzen. Da kam wirklich pure Liebe rüber.

Alles Liebe und auf weitere Geschichten

Apfelblüte - Ursula

#9 RE: Cinnamons Glossen von Kinnamon-Ines 26.02.2010 20:47

Hallo, ihr Lieben alle, und nun getraue ich mich einfach, hier nochmal zu sagen:

"Cinnamons Glossen kommen", auch wenn ich jetzt keine Prognose darüber geben kann, wann. Dazu ist mein eigener "Prozess" einfach viel zu "unberechenbar". Als ich diesen Thread eröffnete, fühlten sich die Glossen SEHR real und wie direkt vor der Tür Schlange stehend an, sonst hätte ich das nicht gemacht. Später fühlten sie sich total irreal und wie Totgeburten an und ein Teil von mir dachte: "Vielleicht werde ich überhaupt nie wieder etwas schreiben wollen". Im Augenblick fühlen sich die Glossen wieder sehr, sehr lebendig an, denn ich habe einen Teil in mir entdeckt, der wirklich prädestiniert dafür erscheint, sie zu verfassen. Es ist ein sehr hellsichtiger, wissender, auch brillanter und der Anlage nach umwerfend komisch sein könnender Aspekt von mir, der mich schon oft früher sehr erheitert hat. Er hat nur einen "Fehler": Er ist noch ein bisschen "ungeklärt" und unerlöst. Er ist momentan noch ziemlich frustriert, sauer, aggressiv, streitsüchtig, selbstzerstörerisch und würde, wenn ich ihn JETZT in die freie Wildbahn entließe, einfach wildwütig um sich schießen, "Masken vom Gesicht reißen", "entlarven", verhöhnen undsoweiter, kurz, letztendlich mit Bumerangeffekt versehen sich gegen mich selber richten. Der Aspekt hat mit einer "hässlichen" Seite meiner alten Meisterschaft zu tun und ich verdanke es - ohne jede Ironie - Sabine Wolf und ihrer Video-Präsentation der Form von Meisterschaft, die sie gerade lebt, dass ich ihn bei mir selbst in seinem Wesen erkannte, vor ihm erschrak und ihn dann annehmen konnte, als sehr kraftvollen und kreativen Anteil von mir selber. Bloß möchte ich ihn jetzt ersteinmal ein bisschen in Erholungskur schicken, damit er merkt, dass er nicht mehr zu kämpfen braucht, und dazu gehört, dass ich ihm momentan, wenn er wieder loslegen will, gelegentlich einfach liebevoll "den Mund verbiete". Er lässt sich das sogar gefallen!

Also, schaun wir mal, wie gesagt, es kann weiter noch dauern, aber momentan sieht alles danach aus, dass es diese neuen Glossen zu gegebener Zeit auch geben wird!

Cinnamon

#10 RE: Cinnamons Glossen von Kinnamon-Ines 07.03.2010 18:31

Hallihallo, es ist soweit... vorhin konnte ich mein erstes neues Glossen-Kindlein aus der Taufe heben! Es ist eine kleine Plauderei aus dem Alltag, vordergründig gar nicht "spirituell", aber sie hat's "in sich"...

Putzteufel (1)

Ich bin eine Quartals-Putzerin. Was die heimliche Verwandtschaft zum Quartals-Säufer betrifft, so hat sich mir momentan noch nichts Konkretes erschlossen, aber es gibt sie bestimmt, sonst hätte ich nicht neulich bei einem Telefongespräch mit meiner Schwester Beate, die auch so eine ist, spontan diesen Ausdruck geprägt!

In jedem Falle – meiner Schwester und mir ist dieser innere „Putzteufel“ nicht eigen, den ich hier im Titel führe und dessen Lebensinhalt darin besteht, seine Wohnung ständig peinlich sauber (und auch natürlich in penibler und immer gleicher Ordnung) zu halten. In der Tat eine Sisyphos-Aufgabe, der frau sich widmen kann ohne Unterlass und Ende, da der Schmutz und die Unordnung sich ja ganz von selber ebenso ständig wiederherstellen, allüberall, in der Natur wie auch im Hause…

Wenn ich an so einen Putzteufel denke, dann entsteht ganz spontan vor meinen Augen das Bild einer kleinbürgerlichen „Nur“-Hausfrau aus den 50er/60er Jahren des 20. Jahrhunderts: bunte Kittelschürze, Hausschuhe, Kopftuch umgebunden, aber nicht mit einem langen Zipfel im Nacken, sondern die beiden Enden oben auf dem Kopf verknotet. Ich denke, dass es sich hierbei, zumindest in unseren Breiten, um eine tendenziell aussterbende Spezies handelt, denn die gesellschaftlichen Verhältnisse haben sich bekanntlich seither stark gewandelt. Die in einer Partnerschaft lebende junge Mutter, die heute „nicht arbeitet“, will heißen, nicht in einer lohnabhängigen Tätigkeit Geld verdient, weil das Einkommen des Vaters der Kinder einigermaßen für den Lebensunterhalt ausreicht, nennt sich auch lieber „Familienfrau“ als „Hausfrau“, denn es ist ihr in erster Linie wichtig, für ihre Kinder präsent zu sein. Das Saubermachen und Aufräumen läuft mehr oder weniger nebenher und wird ganz unterschiedlich ernst genommen. Unsere eigene Mutter war solch eine Familienfrau – ich habe noch sechs jüngere Geschwister – wenn dieser Begriff auch damals noch nicht erfunden worden war. Wir hatten zeitweise Putzhilfen, damals noch schlichtweg „Putzfrau“ genannt, und es konnte dann vorkommen, dass Mutti stöhnte: „Oh Gott, ich muss aufräumen, heute kommt Frau XXX, was soll die bloß von mir denken?!“

Natürlich ist die heutige „Familienfrau“ dieser Ausprägung auch schon wieder fast eine Randerscheinung hierzulande, aber die derzeit parallel existierenden Familienformen und Frauen- und Mütter-Lebensmodelle sind ja jetzt nicht mein Thema.

Also… „Quartals-Putzerin“… Der „Quartals-Säufer“ – jetzt sehe ich die Gemeinsamkeit – trinkt nur phasenweise, dann aber heftig, und ist zwischendurch trocken. In meiner derzeitigen Eigenschaft als Quartals-Putzerin lebe ich über gewisse Zeiträume hinweg mit einem bestimmten, irgendwann nur so gerade noch für mich erträglichen, Pegel von Wohnungsverschmutzung und damit einhergehendem Chaos, um dann zu gegebener Zeit einen Bereich nach dem anderen lustvoll, energisch und relativ gründlich zu säubern. Gestern und vorgestern gönnte ich mir zwei solche Intensiv-Einsätze. Mein Mann steht mir dabei insofern zur Seite, als er mit seinen eigenen Zuständigkeitsbereichen ganz entsprechend umgeht.

Als wir vor ungefähr zwei Jahren unserer letzten Putzhilfe, einer sehr sympathischen und zuverlässigen Russlanddeutschen, kündigten, waren wir uns einig, dass wir uns das Saubermachen teilen würden, und anfangs arbeitete jeder von uns ziemlich regelmäßig einmal pro Woche seine Bereiche ab, so wie es halt die Putzhilfe immer getan hatte. Nach und nach stellte sich aber ein nonchalanter Schlendrian ein, denn beide hatten und haben wir meistens etwas anderes zu tun, das uns wichtiger ist. Mittlerweile kann es geschehen, dass ich im Scherz bemerke: „Oh Kumar, wir sollten eigentlich putzen, die Söhne kommen!“ Wir tun’s dann aber doch nicht, weil wir immer noch lieber was anderes machen: Er will fotografieren gehen und anschließend seine Bilder am Computer bearbeiten, ich will im Zweifelsfalle lesen, selber schreiben, oder mich in spirituellen Internet-Foren herumtreiben… Und so geschah es denn kürzlich auch, als am 71. Geburtstag meines Mannes unsere drei Söhne samt Ehefrauen und einjähriger Enkelin Sara zum Feiern ins Haus kamen, dass Kiron, der immer schon ordnungsliebende heutige Fahrzeugingenieur, angewidert auf ein sehr unordentliches Spinnengewebe deutete, das sich am Wohnzimmerfenster zwischen einer Topfpflanze und dem Fensterrahmen ungestört ausbreitete und von der darauf scheinenden Nachmittagssonne peinlich deutlich hervorgehoben wurde: „Mama, was ist denn bei euch los!“ Unser Jüngster, Felix, früher der Bewohner eines mega-Messie-mäßigen Jugendzimmers, inzwischen aber im Rahmen seiner jungen Ehe mit Stefanie, Mutter von Sara, auch recht sauberkeitsliebend geworden, sagte bei diesem Anlass einmal gar nichts, aber ich weiß, dass er sich seinen Teil sehr deutlich dazu dachte – ungefähr in dieser Form: „Nun sind die bloß noch zu zweit und beide immer zu Hause, und da lassen sie ihr Haus in dieser Weise einsauen…“

Na ja, es gibt beileibe Schlimmeres als unseren Haushalt, ich kann da noch ganz andere Geschichten von wirklichen „Sauställen“ erzählen, aber das ist Stoff für eine eigene Glosse! Jedenfalls, mein Mann und ich haben uns gerade heute Mittag mal wieder fest vorgenommen, dass wir im Frühjahr aber ganz bestimmt endlich die mit Fettschmierestaub versiffte Kücheneinrichtung reinigen und alle Fenster im Hause durchputzen werden – beide Tätigkeiten wurden zuletzt vor ungefähr einem Jahr ausgeführt…

Cinnamon

#11 RE: Cinnamons Glossen von viola-annai 07.03.2010 23:21

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Liebe Cinnamon,
also diese Geschichte finde ich köstlich und sowas von aus dem Leben gegriffen. .
Ich glaube, dass das bei vielen von den "Transformatoren" mittlerweile, wenn nicht immer schon so oder so ähnlich abläuft.
Könnte von mir sein, wenn ich auch gerad mal keine Söhne habe . .
Die Neue Erde, liebe Cinnamon, wird kein Staubkörnchen mehr aufwirbeln, jedenfalls nicht in meiner unmittelbaren Nähe.
Wer möchte und Freude dran hat, der kann sich ja immer noch Staub und Dreck manifestieren,
für mich hat der jahrtausende alte Dreck ausgedient. Spinnen, die ich gar nicht gerne mag,
dürfen bei mir dennoch gerne überwintern, allerdings am liebsten die gaaanz dünnen.
Dicke sehe ich hier bei mir merkwürdigerweise fast nie.
Danke und ich feue mich schon auf die nächste Glosse!

Viola-Annai

#12 RE: Cinnamons Glossen von MonikaS 08.03.2010 00:45

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Hallo Cinnamon,

einfach köstlich
Mein Motto, keine Arbeit läuft vor mir weg, morgen ist sie immer noch da.
Deine Art ,nicht alles so tierisch ernst zu nehmen ist erfrischend, und ich freue mich auf deine nächsten Beitrag.

Dein Ding, das was du in den nächsten Tagen vorhast, was du angesprochen hast und das was du uns jetzt schreibst, füge es zusammen und dann wow.....
Gruß
Monika

#13 RE: Cinnamons Glossen von Kaja 08.03.2010 08:21

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Oh liebe Cinnamon,
da hast Du aber Glück mit Deinem Mann. Der meine ist ein Perfektionist, der das kleinste Stäubchen
sieht. Aber natürlich habe ich ihn so erzogen, dass er es nicht nur sieht, sondern auch beseitigt.
Der ist dauernd am putzen. Aber das ist nicht mein Problem, ich tu mein Ding, wenns ihm nicht passt, muss ers eben ändern: gestern lag er 20 Minuten auf den Knien und hat hinter den Wohnzimmerschränken geputzt. Ich finde Deine Glossen sehr lustig und realitätsnah, danke dafür.

#14 RE: Cinnamons Glossen von Kinnamon-Ines 08.03.2010 13:59

Ich freu mich über eure Antworten, ihr drei Lieben! In den letzten Tagen sind mir eine Menge Ideen für weitere Glossen zugeflogen, und auch für so eine Art kleine Sketche (ich stelle gleich den ersten bei meinen "Geschichten und Gedichten" rein), außerdem Essays und "Geschichten von Heloisa", von denen ich noch gar nicht weiß, was dabei von mir an die Oberfläche kommen will! Aber da "der Ideen" so zahlreiche sind, und alle gleich verlockend, lasse ich diese Juwelensammlung einfach gemütlich vor sich hin funkeln und überlasse es meiner Seele und dem rechten Augenblick, wann ich eins hervorhole und in die physische Realisierung hinein!

Cinnamon

#15 RE: Cinnamons Glossen von Kinnamon-Ines 01.06.2010 17:36

Hallo, und hier noch eine kleine Alltagsgeschichte aus meinem Leben:

Waidag
Oder: Der Engel von der Polizei


Unser Sohn, der Physiker, fährt einen alten roten Peugeot, der einige Mucken und Macken hat. Unter anderem bleibt er gelegentlich stehen und weigert sich beharrlich weiterzufahren. Auch springt die linke hintere Tür manchmal einfach wieder auf, wenn man an der Fahrerseite den Schlüssel zudreht, um die altmodische Zentralverriegelung zu betätigen (keine Fernbedienung…). Weiterhin ist zum Verständnis dieser Geschichte die Tatsache zu erwähnen, dass unser Sohn seit seinem 12. Lebensjahr begeisterter Hobby-Ornithologe, also Vögelgucker, ist und ein kostbares Spektiv (Fernrohr, das mit einem Stativ zusammen verwendet werden muss) besitzt.

Neulich, an einem Freitagabend, brachte unser Sohn sein Auto bei uns vorbei, weil er es übers Wochenende gerade nicht brauchte. Dafür wollten mein Mann und unser zweiter Sohn, der Fahrzeugingenieur, eine Spritztour damit machen, ich weiß nicht mehr, mit welchem Ziel. Nach einer Viertelstunde kamen sie frustriert zurück: Der „Waidag“ (Name einer oberschwäbischen Narrenzunft und Spitzname des Peugeots) hatte mal wieder gebockt, und sie hatten ihn im „Russenviertel“ um die Ecke abstellen müssen, der Aussiedlerkolonie unserer Kleinstadt, die in dem Ruf steht, dass dort ein paar Leute wohnen, die es gelegentlich mit der Eigentumsfrage nicht so genau nehmen. Im Kofferraum des Waidag aber lagerten das erwähnte Spektiv und das dazugehörige Stativ. Unser Sohn, der Physiker, bat meinen Mann telefonisch, diese Wertgegenstände baldmöglichst sicherzustellen. Der brach auch auf, um den Auftrag zu erledigen, kehrte aber wieder um, weil es zu regnen anfing und er keinen Schirm dabei hatte.

Am Montagmorgen begab er sich erneut zu der Seitenstraße, in der das Auto stand, und siehe da – „die verrückte Karre“ sprang an, und er konnte sie zu uns nach Hause lenken! Nur fehlte im Kofferraum das Spektiv…

Mein Mann fühlte sich mehr als unbehaglich, zumal da unser Sohn, der Physiker, sehr zornig werden kann, und sah in Gedanken schon das Loch in unserem Bankkonto, das der Schadensersatz dort reißen würde. Er beschloss, den mutmaßlichen Diebstahl bei der Polizei zu melden. So fuhren wir zur Wache unserer Kleinstadt.

Der Polizeihauptmeister, der die Anzeige aufnahm, schaute sich das Auto von allen Seiten gründlich an und konnte beim besten Willen keinerlei Spuren von Gewaltanwendung feststellen. Er wollte mindestens dreimal wissen, ob wir auch sicher seien, dass das Spektiv sich überhaupt in dem Kofferraum befunden hatte. Mein Mann bejahte das mindestens dreimal. Dann versuchte er dem Beamten zu erklären, dass der Täter über die linke hintere Tür an den Kofferraum gelangt sein könnte und wollte die Tatsache demonstrieren, dass diese Tür selbsttätig wieder aufspringen kann. Aber – Waidag ist Waidag – dieses Mal tat die Tür uns den Gefallen nicht. Außerdem war der Polizist der Ansicht, dass es zu sehen gewesen wäre, wenn jemand sich über den Rücksitz an den Kofferraum herangemacht hätte. Er war überaus höflich und zuvorkommend und ließ nur sehr diskret durchblicken, dass er unsere Geschichte etwas merkwürdig fand. Nach allem Augenschein musste er davon ausgehen, dass, wenn es denn einen Diebstahl gegeben hatte, die Kofferraumtür nicht verschlossen gewesen sein konnte. Es handelte sich also, wie er uns erklärte, nicht um einen Einbruchdiebstahl, und so würde auch keine Teilkaskoversicherung den Schaden ersetzen. Um die Höhe desselben festzustellen, bat er uns in sein Büro und warf seinen Computer an. Personalien meines Mannes, des Erstatters der Anzeige, nochmalige Frage, ob das Spektiv denn wirklich im Kofferraum gewesen sei, nochmalige Versicherung meines Mannes, dass dem so war. Dann die Daten des vermissten Gegenstandes: Marke, Farbe, Kennnummer (die uns nicht bekannt war), Wert. Achthundert Euro, schätzte mein Mann. Ob noch Kaufunterlagen vorhanden seien, wollte der sorgfältige Polizeihauptmeister wissen. Wir wussten es nicht und versprachen, zu Hause nach solchen zu suchen. Der Polizist teilte uns mit, wir könnten ihn auch noch in der Nacht erreichen, um ihn zu informieren, denn er habe Dienst.

Als wir uns verabschiedeten, hatte uns dieser freundliche Mensch mindestens eine Stunde Zeit gewidmet. Wir bedankten uns für seine Gründlichkeit und Sorgfalt, worauf er meinte, er behandele seine Fälle immer so, wie er sich wünsche, dass der seine behandelt würde, wenn er mal in die Verlegenheit käme. Also, wenn ihr mich fragt, ist dieser Schutzmann in der Truppe von Erzengel Michael beschäftigt, wenn er nicht gerade auf Erden Dienst schiebt…

Gegen Abend raffte sich mein Mann dazu auf, unseren Sohn anzurufen. Ich hörte ihn erleichtert aufatmen und zugleich „Wie peinlich!“ murmeln.
„Was ist denn los?“, fragte ich neugierig.
„Gerrit hat am Sonntagabend sein Spektiv aus dem Auto geholt, ohne uns Bescheid zu geben.“

So ein Waidag! Nun musste unserem Geduldsengel von der Polizei die Wahrheit gestanden werden. Wie gut, dass er gerade auf Streife war und wir ihm die Entwarnung durch seinen Kollegen ausrichten lassen konnten!


Grüßle aus Oberschwaben
Kinnamon-Ines

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