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#91 RE: Apfelblütes Schreibblog von Apfelblüte 12.08.2010 19:28

Liebe Ines,

ja die Schriftsteller und ihre Marotten.

Zitat von Kinnamon-Ines
Ah ja, eine Art Marotte habe ich allerdings doch: Ich habe immer mehrere Schreibvorhaben parallel laufen.



Die Marotte habe ich auch. Zurzeit sind es bei mir zwei Romane, eine längere Erzählung und ein Theaterstück, ehm, das ist das, was mir spontan einfällt, ich glaube, da ist noch mehr . Das sind aber Projekte, die ich schon vor längerer Zeit angefangen habe, mindestens ein weiterer Roman, der seit Jahren vor sich hindümpelt, eine Idee, von der ich noch gar nicht weiß, was sie letztendlcih werden will, und noch so ein paar unausgegorene Sachen, die sich vielleicht klären - wann auch immer. Irgendwie habe ich das alles gar nicht so als Marotte betrachtet, für mich ist das schon fast normal, schließlich lese ich auch so, auch oft mehrere Bücher gleichzeitig. Und früher in der Werbung wäre ich nicht weit gekommen, wenn ich nicht genau so gearbeitet hätte. Eins fertig machen und dann das nächste, das wäre undenkbar gewesen. Da lagen immer viele Sachen nebeneinander. Mehrere Broschüren, Anzeigen, Messen, Fachbücher.

Arbeiten nicht die meisten Menschen so, warum soll es da bei Schriftstellern anders zugehen?

Dann weiterhin frohes Schaffen

Ursula

#92 RE: Apfelblütes Schreibblog von Apfelblüte 17.08.2010 11:31

Dienstag, 17.08.2010

Beim Romanschreiben gibt es eine solche Fülle an Material – vorher zusammengetragenem oder auch nicht – dass sich der Schriftsteller natürlich überlegen muss, was er damit macht und wie er es sortiert. Als ich damals den Schreibkurs belegt hatte, gab es auch hierzu Vorschläge. Es sind ja nicht nur die Recherchen oder Überlegungen für diesen einen Roman, an dem ich gerade arbeite, meist hat man in den unmöglichsten Momenten die besten Ideen, oft genug auch für neue Romane oder Erzählungen. Was macht man damit? Alles im Kopf behalten – das traut sich fast keiner.
Da gibt es solche, die – wie Michael Ende einer gewesen sein soll – all die Ideen, Einfälle, Hinweise auf Zettel notieren und in eine Schublade stecken. Ende soll dann hin und wieder blind in diese Schublade gefasst haben, um Stoff für eine neue Geschichte zu finden. Nicht gerade sehr strukturiert, dafür aber intuitionsfördernd, wie ich finde.
Eine weitere Möglichkeit ist, alle Notizen auf Karteikarten zu schreiben. Das ist scheinbar übersichtlich, vor allem wenn es sich um die Informationen für ein bestimmtes Werk handelt. Mich erinnert es zu sehr an die Schulzeit und das Lernen von Vokabeln. Außerdem ist es mir zu unhandlich. Bei meinem allerersten Roman hatte ich es trotzdem damit versucht, obgleich ich ja noch gar nicht mit dem Kurs begonnen hatte. Doch da der Roman in der Steinzeit spielt, hatte ich mir aus Fachliteratur alles Mögliche notiert: Lederverarbeitung zu jener Zeit, welche Pflanzen zu der Zeit wuchsen, was gegessen werden konnte und noch viel mehr. Aber schon damals fand ich es schreibhemmend, wenn ich immer wieder in diesen Karten nachsehen musste, während ich schrieb.
Bei den nächsten Romanen verwendete ich DIN A 5 Ringbücher. Dabei unterteilte ich in Sachinformationen, Lebensläufe, Charakterisierungen und noch einiges andere und stellte mal wieder fest, dass manches sowohl in den Teil als auch in den nächsten oder in alle Bereiche notiert werden könnte. Ich begann, mir mit Querverweisen zu behelfen, und hatte dann manches Mal keine Lust mehr zu schreiben.
Wer gerne am Computer arbeitet, kann natürlich seine Informationen auch dort abspeichern. Ich mag es nicht, weil ich am Computer nicht gerne blättere – im Gegensatz zu Papier, da macht es mir nichts aus. Das ist aber reine Geschmackssache und bei jedem anders.
Irgendwann hatte ich dann eine Art Kompromiss geschlossen – mit mir selbst. Ich schrieb am Computer eine Liste der handelnden Personen, mit kurzen Daten wie Alter, Name und wenig anderem, und zeichnete Dorfpläne oder Pläne von Häusern, wenn dies im Roman wichtig war.
Wenn ich aber nicht darauf vertraue, dass da in mir eine Instanz ist, die auch darauf achtet, dass keine unlogischen Dinge geschehen, muss ich mir auch dafür eine Art Kontrollmechanismus einfallen lassen. Dazu gibt es eine hübsche Geschichte über Balzac. Der hatte ja den Ehrgeiz, mit seinen Romanen einen irdischen Gegenentwurf zu Dantes Göttlicher Komödie zu liefern. Es tauchten in allen Romanen auch Personen aus seinen anderen Werken auf. Da wäre es peinlich geworden, wenn plötzlich jemand wieder erschienen wäre, der in einem der vorherigen Werke gestorben war. Also spannte Balzac in seiner Küche eine Leine und hing daran Püppchen mit Namen – in einer anderen Version waren es nur Zettel – und in jedes Püppchen, das einen Toten symbolisierte, steckte er eine Nadel.
Als ich mein Sachbuch schrieb, ging ich ganz anders vor. Ich verließ mich auf mein Gedächtnis, schrieb einfach das, was mir in den Sinn kam und erst als ich alles durchlas, überprüfte ich den Text auf seine Richtigkeit. Aber beileibe nicht alles. Zuerst einmal nahm ich mir die Stellen vor, bei denen ich mir nicht absolut sicher war. Dabei stellte sich heraus, dass ich mich auf den über dreihundert gedruckten Seiten bei gerade mal einer einzigen Stelle etwas vertan hatte. Da hatte ich von einer Patientin berichtet und dass ich in einer Kinesiologie-Sitzung drei chemische Stoffe ausgetestet hätte – beim Nachsehen stellte sich heraus, es waren nur zwei. Und ich hatte mich beim Schreiben gewundert, weshalb ich mich bei Zweien erinnern konnte, was es war, bei dem dritten aber nicht. Konnte ich ja auch nicht, denn den gab es nicht. Alles andere, was ich überprüfte, stimmte. Irgendwann verstand ich, dass ich nicht weiter prüfen musste.
Inzwischen gehe ich bei meinen Romanen genauso vor. Ich recherchiere nicht vorher. Etwas, von dem ich keine Ahnung habe, wofür ich vorher ganz viel nachsehen müsste – darüber schreibe ich nicht. Wie soll ich mit meinem Herzblut schreiben, wenn es mir so fremd ist.
Also schreibe ich auch hier einfach drauflos, wenn ich beim Schreiben stutzig werde, dann unterbreche ich und schaue nach: in meinen vielen Büchern, im Brockhaus oder im Internet. Bisher habe ich noch immer eine Antwort gefunden. Dann schreibe ich weiter. Manchmal merke ich es beim Schreiben nicht, dann stelle ich beim Durchlesen fest – hoppla, da ist etwas nicht sauber, der anschließende Vorgang ist der gleiche wie gerade beschrieben.
Was ich immer noch mache: ich führe eine Liste mit den Personen, oft genug wächst die aber mit dem Fortschreiten des Romans. Und bei kleinen Dörfern zeichne ich einen Dorfplan, diese optische Stütze hilft mir mehr als noch so viel Text über den Ort.
Leichter haben es natürlich die Schriftsteller, die wirklich Fiktion schreiben, das heißt: je weiter es von unserem Alltag weg ist, desto weniger muss ich recherchieren. Allerdings muss das Werk in sich schlüssig sein. Wenn ich aber einen historischen Roman schreibe oder gar über eine historische Persönlichkeit, dann muss ich bis zu einem gewissen Grad nachforschen. Und dann kann es passieren – und ist es wohl auch schon – dass zwar alles stimmt – oder sagen wir lieber, der derzeitigen Geschichtsforschung entspricht – aber als Werk kalt bleibt. Es kommt mir ein wenig so vor wie früher in der Schule. Wenn man genau zuhört, kann man feststellen, ob jemand einfach etwas auswendig gelernt hat oder ob er es verinnerlicht hat. So spüre ich beim Lesen, ob sich jemand nur an die Fakten gehalten hat, die er gefunden hat, oder ob er in einer Art alchimistischen Prozess sie verarbeitet und dann etwas ganz Neues geschrieben hat.
Je nachdem, wie ich meine Vorarbeit organisiere, kann ich alles wie eine wissenschaftliche Arbeit angehen oder aber ich vertraue, dass von all der Recherche fast alles in meinem Gedächtnis geblieben ist. Dann schreibe ich anschließend drauf los. Und beim Korrekturlesen nehme ich dann meine Notizen zur Hand, um nachzuprüfen. Dann ist es egal, ob die Notizen auf Karteikarten stehen, in einer Art eigenem Werk festgehalten wurden, im Computer in einzelnen Dateien stehen oder wie auch immer ich vorgegangen bin.
Ich habe inzwischen festgestellt, dass ich im Außen Hinweise erhalte, wenn in einem meiner Roman etwas nicht exakt ist. Das funktioniert genau so wie mit meinem privaten Leben. Da schreibe ich beispielsweise über einen Musiker, erwähne ein Musikstück, das er spielt – habe es aber nicht mehr im Ohr und auch nicht auf CD. Ich gehe in einen Musikladen, aus einem vollkommen anderen Grund, ich kaufe mir eine CD, weil ich den Komponisten mag und sie günstig ist. Dann komme ich nach Hause, höre sie und stelle fest: das würde ja noch viel besser passen – in den Roman. Also spielt der Gute nicht das, was ich zuerst geschrieben, sondern das, was ich gefunden hatte.
So etwas verlangt natürlich Vertrauen. Da ich es inzwischen habe, gibt es bei mir keine kleinen Notizbücher mehr, in denen ich alles festhalte – denn auch das ist eine Möglichkeit – es gibt keine Karteikarten und keine Dateien im Computer und auch keine Ringbücher mehr. Das Wichtigste ist in meinem Kopf gespeichert oder ich habe Zugang zu dem Wissen – wie auch immer. Ich vertraue darauf, dass ich spüre, wenn etwas, das ich geschrieben habe, nicht stimmig ist. Wenn ich das merke, überprüfe ich das – aber immer erst hinterher.

#93 RE: Apfelblütes Schreibblog von Apfelblüte 21.12.2010 11:15

So, das ist das vorläufige Ende - ein endgültiges gibt es ja nicht.

Montag, 20.12.2010

Nun ist fast ein Jahr vergangen, seit ich diese Texte begonnen habe, und wieder liegt alles unter einer weißen Schneedecke. Ja, sie will mir noch dicker erscheinen als die am Anfang des Jahres. Der Roman, mit dem ich diese Beschreibung begann, ist schon lange fertig – ganz im Gegensatz zu einigen anderen Werken.
Es war ein seltsames Jahr, sowohl aus der Sicht der Schriftstellerin als auch aus der der Seminarleiterin, die ich ja auch bin. Vieles hat sich verändert, einiges Neue ist hinzugekommen und so manches Alte konnte ich loslassen. Andererseits ist kein weiterer Roman fertig, obgleich ich schon vor dem Taucherroman einen neuen begonnen hatte (Vertauschte Rollen) und auch noch die Idee zu zwei weiteren hatte und sie ebenfalls anfing.
Von jedem der drei Romane existieren die ersten Kapitel, alle drei faszinieren mich – auf ihre Art – ich weiß auch, dass sie irgendwann fertig werden, aber es hat sich zuviel dazwischengedrängt. Natürlich auch gänzlich andere Arbeit, eine neue Webseite beispielsweise, zu der ich ja auch Texte schreiben wollte, und Planungen für meine neue Arbeit. Im Grunde kenne ich das, dann melden sich meistens nur kurze Märchen, Geschichten oder Essays.
Dies geschah auch in diesem Jahr, doch dann tauchten noch zusätzliche Texte auf, die ich zuerst einmal gar nicht einordnen konnte. Ich habe sie als Essays bezeichnet – aber sie sind es nicht im klassischen Sinne, allerhöchstens im wörtlichen Sinne des Wortes Essay. Es waren Erkenntnisse, die sich einstellten und in Worte gefasst werden wollten. Und so habe ich sie zusammengefasst unter dem Begriff „Erkenntnisblog“. Es ist ein bunter Blumenstrauß geworden, manches Mal eher an eine Geschichte erinnernd, dann wieder fast wirklich wie ein Essay. Und über dem Schreiben dieser Texte kam mir dann auch die Erkenntnis – wie auch anders –, warum ich mit den Romanen und dem Theaterstück (die Titanen stehen schließlich auch noch an) nicht weiterkam. Es wurde mir deutlich, als ich plötzlich wusste, dass in dem Theaterstück Hinweise fehlten. Ich hatte sie erst gesehen, nachdem ich einen fremden Text in einem Forum gelesen hatte. Ach ja, natürlich, alles braucht seine Zeit, das weiß ich doch. Ich hatte es nur ein bisschen vergessen.
Nun beende ich diesen Blog, es erscheint mir so passend, da fast genau ein Jahr vergangen ist. Vielleicht ergeben sich in der nächsten Zeit weitere Texte ähnlicher Art. Doch dann soll es ein eigenes Werk werden. Vielleicht enthält das vollkommen neue Erkenntnisse über das Schreiben, oder eine andere Sichtweise auf den Vorgang des Schreibens. Ich weiß es noch nicht. Wie bei allem Schreiben ahne ich auch hier nicht einmal, was auf mich zukommen könnte. Aber gerade das macht es ja so spannend.

#94 RE: Apfelblütes Schreibblog von Apfelblüte 05.01.2011 15:28

Teil II 2011


Mittwoch, 05.01.2011

Und noch einmal ändert sich die Art, wie ich schreibe. Und damit gibt es wieder Material für diesen Schreibblog. Ich hätte es mir ja denken können. Wenn ich mir so den Text des letzten Jahres noch einmal durchlese, dann scheint es mir, als könne man als Leser annehmen, ich schriebe immer schön alles der Reihe nach. Aber dem ist nicht so. Und je länger es her ist, dass ich mit Schreiben begann, desto umfangreicher ist das Material, das ich parallel bearbeite.
Das bedeutet nun nicht, dass ich eine Stunde an dem einen Roman, die nächste beim zweiten oder so verbringe. Ja, ich schreibe noch nicht einmal jeden Tag an meinen Werken. Ganz anders als dies bei manchen Schriftstellern so ist. Es soll welche geben, die sich eine feste Stundenzahl pro Tag an den Schreibtisch setzen und ihr Pensum erfüllen – so als arbeiteten sie in einem Büro. Das ginge bei mir gar nicht, schon allein deshalb, weil ich ja auch noch so viele andere Dinge tue.
Und dann gibt es Tage, an denen ich zwar schreibe, aber nicht für eines meiner Werke – sondern beispielsweise hier an diesem Blog, oder für meine Webseite oder wofür auch immer.
Bisher allerdings dachte ich, ich schreibe gerade an dem Werk, zu dem mir etwas einfällt oder zu dem es mich hinzieht. Nun habe ich aber festgestellt, dass da noch etwas anderes wirkt. Vielleicht tat es das ja schon die ganze Zeit und jetzt erst fällt es mir auf. Wer weiß?
Auslöser zu dieser Erkenntnis war die Idee zu einem neuen Roman. Das ist nun der fünfte, an dem ich arbeite den ich aber noch nicht beendet habe.
Da liegt seit Jahren der Roman über den Manager herum – zur Hälfte geschrieben, immer mal wieder hervorgeholt und immer noch nicht vollendet. Manchmal gefällt es mir überhaupt nicht mehr, was ich da geschrieben habe, dann wieder scheint es mir, dass es wichtig sei, auch diesen zu vollenden und auch genau so.
Der zweite ist der, dem ich den Namen vertauschte Rollen gab, der auch in meinem Schriftstellerroman (die Dame mit den verbundenen Augen) erwähnt wird. Ich hatte die ersten Seiten mit Begeisterung geschrieben, dann ruhte er. Anderes kam dazwischen. Dann schrieb ich wieder eine Reihe von Seiten. Seitdem schläft er mehr oder weniger.
Der dritte meldete sich kurz nach dem zweiten, begeisterte mich noch wesentlich mehr als dieser zweite. Ich schrieb mehrere Kapitel. Auch er ruhte anschließend. Immer wieder mal fällt mir etwas zu ihm ein, ich schreibe weitere Seiten, dann wieder längere Pause.
Während der ganzen Zeit wartete auch noch ein Theaterstück (die verwandelten Titanen) auf Vollendung und eine längere Geschichte (Begegnung mit Richard). Nun sollte man meinen, ich sollte erst einmal alles dies zu Ende führen – und früher wäre ich auch sehr wohl dieser Meinung gewesen. Doch weit gefehlt, es meldete sich eine weitere Idee und auch hiervon wollte der Anfang unbedingt geschrieben werden. So begann ich mit den singenden Steinen – das war im Dezember 2010 (die anderen beiden begann ich im Dezember 2009 respektive im Juni 2010).
Noch ist kein Monat vergangen und eine weitere Idee meldete sich. Und auf einmal macht dies alles Sinn – das hat mit dem neuen Roman zu tun. Natürlich stimmt all das, was ich schon vermutet habe, aber es war nicht alles. Denn die Romane beeinflussen sich irgendwie gegenseitig – anders kann ich es nicht nennen. Wie genau – das erforsche ich zurzeit und das wird Thema dieser Fortsetzung des Schreibblogs. Und dazu werde ich zuerst kurz etwas über die einzelnen Romane und die längere Geschichte schreiben – sofern ich das nicht schon im letzten Jahr getan habe.
Und im Übrigen kam dann Ende letzten Jahres der plötzliche Impuls, an dem Theaterstück weiter zu schreiben – so als habe sich ein Knoten gelöst. Und siehe da, innerhalb von wenigen Tagen war es fertig.

#95 RE: Apfelblütes Schreibblog von Apfelblüte 06.01.2011 15:15

Donnerstag, 06.01.2011

Um erklären zu können, was ich gestern meinte, ist es vielleicht hilfreich, zuerst einmal die fünf Romane kurz zu umreißen. Den ersten – den aus meiner Lernzeit – hatte ich schon im letzten Jahr vorgestellt (14.01.2010). Es mag den Anschein haben, als gehöre er nicht zu dem, was mir aufgefallen ist. Er fällt etwas aus dem Rahmen, das stimmt. Und doch gehört er dazu – vielleicht gerade weil er anders ist.
Nochmals zur Erinnerung: in dem Roman – ich nannte ihn „Herbst im Allgäu“ – geht es um einen Manager, der von heute auf morgen seinen Job verliert. Er ist in einem kritischen Alter – nämlich fünfzig – und damit für die Arbeitswelt zu alt. Er hat den Kontakt zu seiner Familie verloren und weiß nun nicht, wie er seiner Frau das alles erklären soll. Er windet sich, sagt nur halbe Wahrheiten und sie zieht die Konsequenz und reist erst einmal mit der jüngsten Tochter zu ihrer Mutter nach Hamburg.
Dann beginnen die „Zufälle“. Er erbt einen Hof im Allgäu, den er noch Wochen vorher belächelt hätte. Nun sieht er darin eine neue Chance. Der Roman besteht im Endeffekt aus seiner Aufarbeitung, seiner Arbeit auf dem Hof, der Annäherung an seine Kinder, was ihm bei seinen beiden älteren erstaunlich leicht fällt.
Der nächste, noch nicht vollendete Roman ist der, den ich „Vertauschte Rollen“ nannte. Inzwischen – so habe ich festgestellt – hat sich die Thematik meiner Romane gewandelt. Waren die ersten (vor allem Herbst im Allgäu und Die Herrin der heilenden Kräuter) noch der Aufarbeitung meines eigenen Jobverlustes und anderer Themen in meinem Leben gewidmet, so tauchen in meinen späteren Romanen nun immer häufiger Künstler auf.
Es kündigt sich schon bei dem Märchenroman (Feder und Harfe) an. Da war die Hauptfigur ein Schriftsteller. In Hermiones Song sind es gleich eine ganze Reihe: zwei Musiker (Anita und Al), eine Dichterin (Fiona), eine Kinderbuchillustratorin (Abby) und Harry mit seinen ganz besonderen Möbeln ist im Grunde ebenfalls ein Künstler.
Das Rosenhaus begann zwar ohne Künstler, doch als sich dann der zweite Teil meldete, waren es auch gleich wieder mehrere: Robin, der geniale Maler, seine Freunde (unter anderem ein Bildhauer), dessen Freundin, eine Fotografin.
Mit Daniel (Im See der Noten) meldete sich wieder ein Musiker – Geigenvirtuose und Komponist – und auch in der darauf folgenden Kriminalgeschichte geht es um Musiker. Bei Der Dame mit den verbundenen Augen ist es dann wieder ein Schriftsteller.
Ich hatte mich zu dem Zeitpunkt schon gefragt, ob es denn nun immer nur noch Künstler würden, die die Hauptakteure meiner Romane spielen. Vor allem, da in den Vertauschten Rollen es schon wieder um eine geht, nämlich eine Bildhauerin. Und als sei dies nicht genug, tauchte dann noch Alan auf, wieder ein Schriftsteller (Die Sache mit dem Manuskript).
Dazwischen hatte sich zwar der Taucherroman geschoben (Bilder aus der Tiefe). Aber dieser Volker fotografiert und zum Schluss beschließt er, ein Buch zu schreiben.
Doch dann, als solle der Bann gebrochen werden, meldete sich im Dezember letzten Jahres ein vollständig anderes Umfeld. So dachte ich zumindest. Da wollte eine Geschichte über die Geschichte geschrieben werden – ein Bericht über Newgrange, in einzelnen Kapiteln einzelne markante Zeitpunkte streifend, beginnend vor mehreren Tausenden von Jahren. Doch schon der Titel weist darauf hin, dass es so einfach denn doch nicht ist: Die singenden Steine. Denn tief verborgen geht es auch hier um Musik.
Das war der Stand der Dinge, als das neue Jahr begann. Neben den erwähnten Werken hatte ich noch die Idee für mindestens drei weitere Romane, ein angefangenes Theaterstück und eine längere Erzählung, die ungefähr zur Hälfte geschrieben war (übrigens geht es in dieser letztendlich auch um Kunst).
Und als hätte ich damit nicht schon genug in Gang gesetzt, meldete sich dann zu Beginn des Jahres 2011 die Idee für einen weiteren Roman. Und mit dem Schreiben wurde mir dann so einiges klar – noch lange nicht alles. Und diese Notizen hier sind auch ein Versuch, das Ganze besser zu durchblicken.
Der Roman, den ich noch nicht erwähnte, hatte mir schon einiges erklärt: Im Kreise der Ausdrücke. Denn wie sich herausstellte, hatte ich eine ganze Reihe Ausdrücke, die als Künstler tätig waren: Cladaigh war Barde in Irland, Roswitha kopierte und illustrierte Handschriften in einem Kloster, Jacques hatte bei einem Troubadour gelernt, Giorgio war Maler in Venedig und André Journalist. Sollte ich mich da wirklich noch wundern?
Es schien mir fast, als wären meine Romanfiguren Wiederverkörperungen meiner eigenen Ausdrücke. Sie waren es und waren es doch nicht. Ich hätte eher sagen sollen: sie helfen mir beim Schreiben, jeder gibt das Wissen dazu, das er in seinem Leben erworben hat. Und genau hier scheint der neue Roman einzusetzen. Und genau hier breche ich jetzt ab – es geht beim nächsten Mal weiter.

#96 RE: Apfelblütes Schreibblog von Apfelblüte 11.01.2011 10:38

Dienstag, 11.01.2011

Der neue Roman lässt mich so wenig los, dass ich bisher nicht einmal dazu kam, hier weiter einzutragen. Und ehe ich jetzt mehr erkläre – auch mir selbst – schildere ich kurz, worum es in diesem Roman überhaupt geht. Zum ersten Mal in meiner Laufbahn – wie sich das anhört – ist die Hauptfigur kein Erwachsener sondern ein Junge von vierzehn Jahren. Das war das Erste, über das ich mich wunderte. Ich sah ihn – so begann es für mich – in einem riesigen Himmelbett liegend und in ein Kaminfeuer starrend. Dann bewegte sich etwas, es schien, als schüttele jemand einen roten Umhang in der Nähe des Feuers – oder das Feuer käme aus dem Kamin. Und dann trat tatsächlich eine Gestalt an das Bett des Jungen.
Ich glaubte zu diesem Zeitpunkt schon, dass dies ein neuer Roman würde, doch dann sah ich noch mehr. Und hier ist jetzt Sehen fast schon das falsche Wort. Mir war, als würde ich in eine meiner chaotischen schamanischen Reisen gezogen. Alles wirbelte durcheinander, Welten, Räumen, Farben, einfach alles. Als ich wieder einigermaßen sortiert denken konnte, wollte ich wissen, was das solle. War das meine Reise oder der Fortgang des Romans? Antwort: beides.
So weit so gut – oder auch nicht. Ich ahnte, dass so nicht mehr kommen würde und setzte mich hin und fing an zu schreiben. Wohlweislich nahm ich eine dicke Kladde. Zu dem Zeitpunkt war ich so mit Schreiben beschäftig, dass ich mir über Anderes keine Gedanken machte, das kam erst später.
Die ersten Seiten des Romans waren damit beschäftigt zu erklären, warum dieser Junge überhaupt im Bett liegt – es ist nämlich Nachmittag fünf Uhr am ersten Tag nach Weihnachten. Die Erklärung: eine Woche vor Weihnachten hatte er Geburtstag und von seinem Vater das Pferd geschenkt bekommen, das er sich gewünscht hatte. In seiner Freude war er gleich am nächsten Tag damit losgestürmt und natürlich abgeworfen worden. Schienbein – und Rippenbrüche waren die Folge. Die erste Zeit des Hindämmerns unter Schmerzmittel war vorbei und nun lag er in seinem Bett und langweilte sich.
Ich schrieb und schrieb weiter, weil ich endlich an die Stelle mit dem Umhang kommen wollte. Denn ich fragte mich, was hat der Junge da gesehen? Dann kam die Szene endlich – nach endlosen sechzehn Seiten. Ein Mann in einem roten Umhang, der in Begleitung eines Fuchses ist, nähert sich dem Bett und fragt Dominic, ob er nicht Lust auf Abenteuer habe. Natürlich hatte der, aber er war doch bandagiert und ans Bett gefesselt. Doch der Mann erklärt, die könne er im Bett zurücklassen.
Während des weiteren Schreibens zeigte sich, dass die Szenen wechseln zwischen normalen häuslichen Szenen – wobei hier das Wort normal nicht wirklich stimmt – und den Szenen, die Dominic – so heißt der Junge – mit diesem Mann im roten Umhang erfährt.
Ich fragte mich natürlich, wer denn nun dieser Mann, den der Junge Fuchsvater nennt, tatsächlich ist. Seine Sprüche begeisterten mich und kamen mir seltsam vertraut vor. Dominic stellt fest, dass er seinen Körper verlassen kann und so beispielsweise die Szene mit seinem Pferd wiederholen und dabei abwandeln kann. Bei einer nächsten Begegnung gehen die beiden auf den Dachboden wo es sieben Türen gibt. Auf jeder ist ein Zeichen und dahinter, wie Fuchsvater erklärt, eine Erfahrung.
Einige der Bemerkungen, die Fuchsvater macht, ließen mich ahnen, wer sich hinter dieser Gestalt versteckt. Einmal meint Dominic, der andere wisse wohl immer, was er wünsche. Darauf antwortet Fuchsvater: „Es wäre seltsam, wenn dem nicht so wäre.“ Als Dominic ihn fragt, ob er das auch in seinem echten Leben könne, kommt als Antwort, das eine sei nicht echter als das andere.
Der Junge ist fasziniert, aber manchmal auch ärgerlich. Da gibt es eine Stelle, da ist er ratlos, sieht Fuchsvater nicht, glaubt aber, dessen Kichern zu hören. Da murmelt er: „Ich weiß, du bist da, auch wenn ich dich nicht sehe. Aber ich finde das gar nicht komisch.“ Hm, kommt mir irgendwie bekannt vor.
Wundervoll hingegen ist die Bemerkung, die Fuchsvater über den Fuchs macht. Da hatte Dominic erfahren, wie es ist, als Fuchs zu leben. Dominic fragte, ob ihm diese Erfahrung helfen könne. Die Antwort von Fuchsvater: „In gewissem Sinne, ja. Füchse nehmen mit anderen Sinnen wahr als der Mensch. Sie spüren die Wahrheit hinter der Maske, die Wahrheit hinter der Lüge und die Lüge hinter der Wahrheit. Sie finden einen Weg, wo andere glauben, es gäbe keinen. Und wenn alles festgefahren ist, dann tun sie das Gegenteil von dem, was alle erwarten. Und so sind sie in der Lage, alte Krusten aufzubrechen.“
Und so scheint auch dieser Roman etwas bei mir zu bewirken. Und darüber schreibe ich demnächst mehr. Und im Übrigen heißt dieser neue Roman: Die sieben Türen.

#97 RE: Apfelblütes Schreibblog von Apfelblüte 12.01.2011 17:45

Mittwoch, 12.01.2011

Als ich diese chaotischen Eindrücke, die ich gestern beschrieb, erhalten hatte, bekam ich so eine erste Ahnung, was mit meinen Romanen geschieht. Ich schrieb weiter an dem neuen Roman, schaute auch hin und wieder zu den anderen Kladden, in denen die angefangenen Werke ruhten, und auf einmal sah ich in einer Art Vision, was da anscheinend ablief.
Die Bilder waren höchst seltsam, irgendwie fremd und doch vertraut. Ich nahm einen riesigen Tisch wahr mit ganz vielen Kartenspielern. Alle hatten sehr viele Karten in der Hand und es gab – anders als bei den uns bekannten Spielen – wesentlich mehr Bilder und Farben. Nach einer eigentümlichen Choreografie spielten sie dieses Spiel. Immer wenn einer eine Karte abwarf, war danach ein anderer dran. Dann hatte der die Wahl, aus der riesigen Menge seiner Karten von fünf oder sechs oder auch zehn Karten eine auszuwählen, die warf er dann ab. Das bewirkte wieder, dass ein ganz bestimmter anderer Spieler nun dran war (je nachdem, welche Karte der vorherige gewählt hatte).
Dann sah ich eine Gestalt, die um diesen Tisch herumgehen konnte – allerdings ohne jeglichen Zeitverlust. Sie sah die Karten, sie wusste genau, welcher Spieler welche Karten besaß, sie kannte die Choreografie, aber sie wusste nicht, welche Karte der Spieler tatsächlich wählen würde. Wenn es eine war, die nicht wirklich passte, dann gab es ein leichtes Chaos und das Spiel ging an einer anderen Stelle weiter.
Manchmal versuchte die Gestalt dem Spieler etwas einzuflüstern. Manche Spieler reagierten darauf, andere nicht.
Zuerst schaute ich mir das ganze nur fasziniert an. Dann kam mir die Idee: so wirken alle unsere Inkarnationen aufeinander. Und dann – he, so ist das ja auch mit meinen Romanen. Erst, wenn ich etwas ganz Bestimmtes bei dem einen Roman geschrieben habe, kann ich etwas anderes Bestimmtes bei dem anderen schreiben. Es ist also nicht so, dass ich gar nicht schreiben könnte, wenn das eine nicht festgehalten ist. Aber je nachdem, wann ich was wie schreibe, beeinflusst das alle anderen Texte. In mir ist eine Instanz, die zwar all das kennt, aber sie weiß nicht – um jetzt im Bild zu bleiben – wann ich welche Karte wähle.
Als ich versuchte, dieses Bild genauer zu erfassen, musste ich an Jane Roberts Überseele Sieben denken. Natürlich – ehe ich das nicht gelesen hatte, konnte ich wahrscheinlich nicht an solche Bilder gelangen – oder wenn nur sehr schwer. Dann wäre das wie eine Karte, die zwar da aber noch nicht dran ist.
Ich habe noch keine Ahnung, wie sich das Ganze aufeinander auswirkt – ich frage mich sogar, ob das überhaupt wichtig ist zu wissen. Aber ich hatte eine Ahnung bekommen, wie es abläuft. Und zwar wesentlich deutlicher, als ich es bisher schon wusste. Und für all dies scheint das neue Werk eine Art Schlüsselroman zu sein. Denn wie in einer Art Spiegelung erscheint dort auch das, was ich gerade erfahre. Oder müsste ich sagen – genau das, was dort erscheint erfahre ich?

#98 RE: Apfelblütes Schreibblog von Apfelblüte 17.01.2011 22:07

Montag, 17.01.2011

Es ist wirklich so, dass das, was bei mir passiert, in gewisser Weise seinen Niederschlag in dem Roman findet. Vor allem Dinge, die mich berühren, Stimmungen, die ich fühle, tauchen in abgewandelter Form in den Szenen auf, vor allem in denen zwischen Fuchsvater und Dominic. Doch das, was dann beschrieben wird, hat erst einmal nichts mit mir zu tun, auf jeden Fall nichts mit der Ursula aus diesem Leben.
Inzwischen hat Dominic die Zimmer hinter zwei Türen kennen gelernt. Die erste ist die Türe, die zum lernen führt. Da lernt er verstehen, was ihn manches Mal in der Schule hindert, etwas zu begreifen.
Die zweite Türe führt in die Vergangenheit. Dort sieht er beim ersten Mal, wie es überhaupt dazu kam, dass seine Eltern geheiratet haben. Das wühlt ihn so auf, dass er Fieber bekommt. Und Fuchsvater erklärt ihm anschließend, dass sein Körper Zeit benötige, all diese Erfahrungen zu verarbeiten. Das Fieber führt aber auch dazu, dass er seinen Vater Worte sagen hört, die dieser dem gesunden Jungen wohl nie gesagt hätte: nämlich dass er seinen Sohn liebt und dieser ihm sehr wichtig ist.
Nach dem Fieber folgen ruhige Tage. Doch nun eben hat Dominic diese zweite Tür ein weiteres Mal geöffnet. Nun erfährt er, dass seine Mutter das Kind – also ihn- gar nicht gewollt hat. Sein Vater aber sehr wohl. Doch er lernt auch verstehen, warum die Mutter so reagiert hat und Dominics Worte – kurz bevor er einschläft – sind: „Sie tut mir leid“.
Fuchsvater fährt dem schlafenden Jungen durch die Haare und erklärt: „Beim nächsten Mal heilen wir die Wunde“.
So, danach musste ich erst einmal Pause machen. Gestern nun habe ich etwas Seltsames erlebt. Da war der Sohn meiner Freundin bei mir zu einer schamanischen Sitzung. Anschließend haben wir uns noch zu einer Tasse Kaffee zusammengesetzt und ich habe ihm – er ist Anfang Zwanzig – von dem neuen Roman erzählt. Sein Kommentar: „Den möchte ich gerne lesen.“ Anscheinend ist er tatsächlich wichtig für diese jungen Menschen. Aber ganz gleich, ob dem nun so ist oder nicht – ich schreibe den Roman weiter. Es ist für mich ganz klar, dass es gar nicht anders sein kann.

#99 RE: Apfelblütes Schreibblog von federleicht 17.01.2011 23:01

Zitat
„Den möchte ich gerne lesen.“


Ich auch!

Liebe Apfelblüte, ich bin fasziniert von Deiner Geschichte über die Geschichten und von Deinem sprudelnden Kreativitätsfluß

Ich verfolge mit Freude, wie sich Deine Schöpfungen weiterentwickeln.

federleichte Grüße

#100 RE: Apfelblütes Schreibblog von Apfelblüte 18.01.2011 09:16

Danke liebe federleicht. Ich habe beschlossen, meine Romane demnächst als e-books anzubieten, das geht schneller, kostet mich nicht so viel Geld - daran hapert es nämlich zurzeit noch ein bisschen - und für den Käufer ist es auch billiger. Und außerdem habe ich eine liebe Seele gefunden, die meine Texte tippt (ich schreibe nämlich noch ganz altmodisch mit Kuli auf Papier), und die gute Seele kriegt dafür Seminare bei mir. Also: wenn die ersten e-books fertig sind, werde ich das hier mitteilen, vielleicht sogar hier in dem Schreibblog.

Ich habe dieses Jahr ganz stark den Impuls, dass es wichtig ist, meine Texte in die Welt zu schicken. Solche Bemerkungen wie von dem jungen Mann oder dir, federleicht, bestätigen mich darin.

Alles Liebe

Apfelblüte - Ursula

#101 RE: Apfelblütes Schreibblog von Adelio 18.01.2011 20:23

Wow, ich freu mich schon auf den Zeitpunkt der Veröffentlichung - eine wundervolle Art der Präsentation!!!!!!!!
Liebe Apfelblüte, wie erstellt man eigentlich ein E- Book - magst Du mir das verraten?
Dir weiterhin Begeisterung auf allen Ebenen für Deine Kreationen.

#102 RE: Apfelblütes Schreibblog von Apfelblüte 19.01.2011 15:38

Liebe(r) Adelio,

e-books stelle ich nicht anders her als auch andere Bücher. Ich habe ja einen kleinen Verlag und mache immer alles selbst. Die pdf-Datei, die ich dann zum Schluss habe - und sonst in die Druckerei bringe - ist dann das, was ich anbiete. Inklusive Titelseite und Rückseite. Wer ein entsprechendeds Gerät zum Lesen hat, kann dann die Titelseite in sein virtuelles Regal stellen und der Text kann geblättert werden - das macht das Gerät. Eine Bekannte hat es mit einem Roman von mir in ihrem i-phone ausprobiert und es funktionierte. Du kannst natürlich auch über den Rechner es dir ansehen - oder wenn dir das lieber ist, ausdrucken oder ausdrucken lassen. Das bleibt aber dann dem Käufer überlassen. Und auch für den Käufer wird es billiger. Was ich dann nehmen werde, weiß ich allerdings noch nicht.

Wenn du so etwas machen wolltest, müsstest du einerseits den Text und die Titelseite gestalten - das kann man mit word. Und du brauchst ein Programm zum Erstellen von pdf-Dateien. Und - nach Wunsch und gegen geringen Aufpreis - man kann dem Käufer eine CD mit den pdf-Dateien anbieten. Und auch ein e-book benötigt eine ISBN-Nummer, das vergessen die meisten.

Trotz allem, wie du siehst, keine Hexerei

Dann bis bald

#103 RE: Apfelblütes Schreibblog von Adelio 20.01.2011 15:41

Hab vielen Dank für die ausführliche Info -

#104 RE: Apfelblütes Schreibblog von Apfelblüte 24.01.2011 10:02

Montag, 24.01.2011

Inzwischen hat Dominic die dritte Tür kennen gelernt. Da geht es um die Heilung von Wunden. Seine Erinnerung ist nur nebulös, aber er spürt die Wirkung. Was ihn zuerst irritiert, ist das Symbol: ein Strauß Maiglöckchen. Und Fuchsvater erklärt ihm, dass das Maiglöckchen sowohl giftig ist als auch ein Herzmittel – je nachdem in welcher Dosierung man es nimmt.
Gestern nun war für Dominic der erste Tag mit seinem privaten Lehrer – Sebastian. Ein junger Mann, der gerade mit seinem Studium fertig ist und erst ein halbes Jahr später seine Referendarstelle antreten kann. Dominic mag ihn und wundert sich, dass er ihm so schnell vertraut wird. Fuchsvater hatte schon einmal zu ihm gesagt, es habe einen besonderen Grund, warum gerade Sebastian gekommen sei. Nun, nach diesem ersten Tag, will er es genauer wissen.
Fuchsvater rät ihm, noch einmal die Türe aufzumachen, die in die Vergangenheit führt, ‚was ihr so Vergangenheit nennt’, meint Fuchsvater dazu. Und dann erlebte ich mal wieder etwas, was mir zwar schon häufiger passiert ist, aber gerade in diesem Roman gehäuft auftritt und deshalb so bewusst wird. Da schreibe ich Dinge, die ich zwar weiß, aber bisher nicht wirklich sehen konnte. Dominic sieht oder erlebt sie. Und wenn ich dann den Text noch einmal lese, dann kann ich es plötzlich auch sehen. Ein faszinierender Vorgang. Es ist, als würde mein eigener Text mir helfen, die Bilder zu visualisieren. Und weil gerade das gestern Geschriebene es für mich so deutlich machte, zitiere ich hier die Stelle:
„Dominic öffnete die Tür und fand sich in einer seltsamen Welt wieder. Für einen Moment glaubte er, er befände sich im Kosmos. Um ihn herum wirbelte und leuchtete es, Sterne blitzten auf, Wolken zogen mit rasender Geschwindigkeit an ihm vorbei. Und dann war da auf einmal ein heller Fleck, wie ein stiller Punkt in dem Chaos. Dort wartete ein Wesen auf ihn, das für einen Moment die Züge von Sebastian aufwies. Dieses Wesen lächelte ihn an, dann veränderte es seine Gestalt, ein Mädchen zeigte sich, dann eine alte Frau, ein Mann in mittleren Jahren, ein kleiner Junge. In rasender Geschwindigkeit verwandelte sich diese Gestalt, seltsame Kleidungsstücke tauchten auf, unterschiedliche Frisuren, Gesichtszüge, die ständig wechselten. Und doch schienen das alles Masken zu sein, die ein und das gleiche Gesicht bedeckten. Immer wieder schimmerte es durch und sah dann Sebastian ähnlich. Nach einer Weile blieb eine Gestalt länger. Jetzt sah er in deren Augen Szenen: zwei kleine Jungen, nur spärlich in Lumpen gehüllt, die miteinander spielten und sich anscheinend wortlos verstanden. Dann tauchte eine junge Frau auf, die gespannt und gebannt einer älteren lauschte. Neue Gestalten: ein junger Mann, der neben einem älteren ritt, beide ein Harfe im Arm; ein Maler, der von einem anderen in die Welt des Farbenmischens eingeführt wurde. Und immer wieder war da das tiefe Wissen: das alles ist Sebastian und die andere Person, das bin ich Dominic. Dann hörte er plötzlich Sätze: ‚Wenn du nicht weiterweißt, helfe ich dir’; ‚wir wollen voneinander lernen’; ‚beim nächsten Mal gebe ich dir das Wissen zurück’. Immer weiter wirbelte es um Dominic, der Kosmos veränderte sich zu tausenden von Welten, eine bunter als die andere, ein Wirbel von Menschen, Kulturen, Gebäuden und Landschaften. Und wie im Auge eines Zyklon darin eine ruhige Stelle, an der zwei Personen standen: Sebastian und Dominic, jeder Lehrer und Schüler des anderen, in immer wieder neuen Gestalten und Formen, und doch immer wieder mit dem gleichen Thema, wie ein Motiv mit Variationen. Und dann auf einmal verstand der Junge, was Fuchsvater gemeint hatte, als er sagte: „Ihr habt eine Abmachung getroffen.“ Er verstand es nicht mit dem Kopf. Aber sein Herz hatte verstanden."

Und ich hatte auch verstanden. Dieser Roman hilft mir, einen weiteren Sinn für all das zu öffnen, für das, was ich schon längst erkannt hatte, was ich wusste, aber nicht richtig mit meinen Sinnen erfassen konnte. Bisher musste ich eine schamanische Reise machen, um es sehen zu können. Jetzt sehe ich es – klar und deutlich – wenn ich das lese, was ich vorher geschrieben habe.

#105 RE: Apfelblütes Schreibblog von Apfelblüte 27.01.2011 10:01

Donnerstag, 27.01.2011

Ich hatte ja eine Ahnung, was in dem Buch so alles vorkommt, ja ich sehe sogar schon den ungefähren Schluss. Doch was sich in den einzelnen Kapiteln meldet, überrascht mich jedes Mal.
Da erzählt doch Sebastian am Abend der Oma und Dominic eine Geschichte und auf die Frage der Oma, von wem die sei, sagt er: ‚von mir.’ Dominic lässt diese Geschichte nicht los, und er berichtet abends Fuchsvater davon.
Am nächsten Tag fängt für Dominic der Unterricht bei Sebastian an und er stellt verblüfft fest, dass der ganz anders vorgeht, als er es aus der Schule gewöhnt ist. Und dann denkt dieser junge Mann auch noch laut darüber nach, dass er gerne einmal eine Reihe über die Freundschaft anbieten würde, dabei ungefähr alle Schulfächer streifend. Dominic ist begeistert und überredet Sebastian, das mit ihm zusammen zu machen. Doch zuerst kommt der Stoff, den die Schule vorgibt. So freundlich Sebastian ist und auch entgegenkommend, so ist er doch konsequent und sich durchaus bewusst, aus welchem Grund er auf dem Schloss weilt.
Dann fügt sich ein ganzes Kapitel an, in dem die beiden über Freundschaft nachdenken. Für Dominic fast unbemerkt, leitet Sebastian ihn. Dominic blättert in dicken Wälzern, überlegt sich, was er im Internet nachsehen könnte und ist vor allem von einem Satz begeistert: ‚Ein Freund ist ein Mensch, bei dem man laut denken kann.’
Manches versteht er nicht, das erklärt Sebastian ihm. Und wenn der es nicht weiß, gibt er es zu und sagt, Dominic solle doch einfach nachsehen, man könne nicht alles wissen. Irgendwann erklärt Sebastian, dass man bei einem echten Freund gar nicht sagen könne, warum man befreundet ist, man wisse es einfach und der andere käme einem so vertraut vor, als kennte man ihn seit ewigen Zeiten. Dominic erwidert nur, dass ihm das so mit ihm Sebastian gehe und der bestätigt, dass es ihm genau so gehe.
Irgendwann kommt die Oma dazu und bringt Tee – und bringt die beiden zum Lachen, weil sie einen Spruch loslässt, denn Dominic und Sebastian hatten gerade Sprüche aus den Büchern herausgesucht.
Doch dann ergibt sich aus den Gesprächen für Dominic, dass er an seine Kindheit erinnert wird. Und das ist genau das, was er sich nachts mit Fuchsvater zusammen ansieht.
Das ist ein neues Kapitel, das ich gestern Abend angefangen habe. Irgendwann konnte ich nicht mehr weiter schreiben. Das liegt nicht nur daran, dass es schon spät war, wenn es mich packt dann kann es durchaus auch mal nach Mitternacht werden. Aber die Bilder und Szenen, die Dominic hinter der zweiten Tür sieht, waren so eindringlich, dass ich an einem Punkt beschloss, aufzuhören.
Hier werde ich erst darüber schreiben, wenn das Kapitel fertig ist. Aber auch bei diesem Teil ist mir mal wieder so einiges klar geworden – und es waren wieder Dinge, die ich eigentlich schon wusste.

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