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#1 Suzanne Segal - Kollision mit der Unendlichkeit von Celestine 19.09.2009 08:22

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Kurzbeschreibung
Suzanne Segal steht an einer Bushaltestelle, als es geschieht: Von einem Moment zum anderen verliert sie ihre Ich-Identität. Verstand, Körper und Gefühle funktionieren noch, aber sie haben irgendwie nichts mehr mit ihr zu tun. Panische Angst überfällt sie, weil sie glaubt, sie sei verrückt geworden. Sie sucht ein Dutzend Psychotherapeuten auf, die alle hilflos vor dem Phänomen stehen. Erst als sie sich mit den buddhistischen Lehren befaßt, wird ihr klar, daß dieser Zustand von Ichlosigkeit keine Geisteskrankheit, sondern Ausdruck des spirituellen Erwachens ist.
Ein faszinierender Bericht über einen Bewußtseinszustand, über den man in spirituellen Büchern immer wieder liest, den aber noch nie jemand so präzise beschrieben hat. Jeder, der auf einem spirituellen Weg ist, kann diese Erfahrung machen. Dieses Buch zeigt, wie man mit diesem ungewöhnlichen Erlebnis umgehen und es in seinen normalen Alltag integrieren kann.

Zitat von Suzanne Segal

Der Kontakt des Verstandes mit der Leere, die ohne persönlichen Bezugspunkt ist, sollte niemals mit der direkten Erfahrung der unendlichen Weite verwechselt werden, die auf keinen Fall über den Verstand läuft. Es ist lediglich die Erfahrung der Reaktion des Verstandes auf die unendliche Weite und nichts anderes.

Ich habe bereits vorhin erwähnt, dass es keinen persönlichen Handelnden gibt, doch das sollte nicht so ausgelegt werden, als ob nichts vollbracht würde. Schließlich hat es niemals einen persönlichen Handelnden gegeben, und trotzdem ist es offensichtlich, dass Autos gefahren, Kinder versorgt und Beziehungen geführt werden. Wenn der Verstand sieht, dass Dinge erledigt werden, dann schließt er daraus, dass es jemanden geben muss, der sie ausführt, denn ansonsten würde nichts erledigt werden. Doch die unendliche Weite hat niemals darauf gewartet, dass der Verstand begreift, dass es keinen Handelnden geben muss, damit Handlungen ausgeführt werden können. Das Handeln entsprang immer einer nicht ortsgebundenen Quelle, die für einen Verstand, der von Interpretationen und Anspeilungen gespeist wird, verwirrend ist. Die unendliche Weite folgert nicht aus den Handlungen, dass es jemanden geben muss, der sie ausführt. Sie erkennt ganz klar, dass Handlungen aus der gleichen überall befindlichen Quelle gespeist werden, wie alles andere auch.

Die unendlich Weite beinhaltet den unpersönlichen Wunsch, sich selbst zu erfahren. Sies scheint der Sinn des Lebens für die Menschen zu sein – dass die unendliche Weite auf sich selbst stößt, egal wohin sie sich wendet. Die Vorstellung von persönlichen Wachstum oder innerer Entwicklung steht in jeder Beziehung im Widerspruch dazu, wie die unendliche Weite existiert. Das Streben nach dem Erwachen impliziert ein Gefühl von Zukunft, welches ausschließt, sich in dem zu sonnen, was jetzt in diesem Augenblick ist. Ich sehe keinen Sinn darin, eine Methode zur Evolution anzuwenden, die beinhaltet, irgendwo hin zu kommen oder etwas anderes zu werden. Sobald man sich auf den Weg macht, irgendwo hin zu kommen, ist das Überwältigende dessen, was ist – das Hier und Jetzt – nicht mehr verfügbar. Und der noch wichtigere Aspekt dabei ist, dass dieses Irgendwo, das Menschen zu erreichen versuchen, nicht lokalisierbar ist, da es in jedem Moment überall zugegen ist,

Alle Vorstellungen darüber, das spirituelle Erwachen zu erreichen, basieren auf der Annahme, dass es jemanden gibt, ein Ich, das die Praktiken ausführt und somit das Ziel erreichen kann. Doch dieser Jemand existiert gar nicht. Nehmen wir zum Beispiel die weit verbreitete spirituelle Vorstellung, dass wir „aus dem Weg gehen müssen damit das Unendliche durch uns hindurch fließen kann“. Dies setzt einen nichtexistenten Jemand voraus, der dann herausfindet, wie er sich hingeben kann. Wir müssen erkennen, dass sowohl die spirituellen als auch die psychologischen Praktiken, jede einzelne von ihnen, auf Vorstellungen davon basieren, wer wir zu sein glauben. Dieser Glaube geht dann als die Wahrheit durch, wer wir sind. Die Vorstellung, wir seien der Handelnde, der unsere Taten bestimmt, macht uns nach lange nicht zum Handelnden, egal wie oft wir uns auch dazu verleiten lassen, sie als Wahrheit anzuerkennen.

Dann gibt es noch die Vorstellung, dass wir unseren Verstand zur Ruhe bringen müssen, um uns zu befreien. Wer soll den Verstand zur Ruhe bringen? So wie alles andere ist auch der Verstand lediglich das, was er ist. Ein Verstand, der Gedanken erzeugt, macht keine Probleme; er tut lediglich das, was ein Verstand nun einmal tut. Der Verstand besteht aus der gleichen unendlichen Leere wie alles andere auch. Die Leere verändert sich niemals, egal ob der Verstand aktiv oder passiv ist. Das Unendliche wartet auch nicht darauf, dass der Verstand etwas tut oder aufhört etwas zu tun, damit sich die unendliche Weite sich selbst offenbaren kann. Sollte der Verstand aus irgendeinem Grund zur Ruhe kommen, dann geschieht das lediglich als Teil des unergründlichen Mysteriums.

Probleme gibt es nur dann, wenn der Verstand der Anwesenheit von Gedanken eine bestimmte Bedeutung zumisst – zum Beispiel, dass ich schlecht oder unspirituell bin und dass ich niemals in meiner Meditation weiter kommen werde, es sei denn, ich kann die Gedanken zum Stillstand bringen. Gedanken und Vorstellungen sind niemals ein Problem, außer man gibt ihnen eine Bedeutung, die sie gar nicht haben. Werden sie lediglich als Gedanken und Vorstellungen erkannt, dann identifiziert man sich auch nicht mit ihnen, Dinge ausschließlich und genau als das zu erkennen, was sie sind, ist der eigentliche Zustand der Erkenntnis, denn das genau ist die Art und Weise, wie die unendliche Weite immer alles sieht.

#2 RE: Suzanne Segal - Kollision mit der Unendlichkeit von Karin 19.09.2009 11:11

Jepp!


#3 RE: Suzanne Segal - Kollision mit der Unendlichkeit von ally 19.09.2009 11:19

Celestine

Karinchen, du bist mir zuvorgekommen

Hach, am liebsten würd ich "fast" das ganze Buch zitieren.



Ally

#4 RE: Suzanne Segal - Kollision mit der Unendlichkeit von Celestine 19.09.2009 12:11

Jaaaaa Karin und Ally

#5 RE: Suzanne Segal - Kollision mit der Unendlichkeit von Karin 19.09.2009 12:32

Celestine Allychen


Käffchen? Tee?


#6 RE: Suzanne Segal - Kollision mit der Unendlichkeit von ally 19.09.2009 12:44

Überflüssig zu erwähnen, dass seitdem nichts mehr war so wie zuvor.
Die Tatsache, dass "Ich" nicht mehr existierte, dass es keine Person mehr gab,
ebnete schliesslich vollständig den Weg für die Erkenntnis,
dass es nichts gibt, was ich nicht selbst bin.
Was übrigbleibt, wenn es kein Selbst mehr gibt, ist alles, was es gibt.

...
aus dem Kontext ...

Erst als ich auf die Geschichte von Jorge Luis Borge über Shakespeare stiess, erwog ich die Möglichkeit,
dass das Gottes-Bewusstsein tatsächlich das Bewusstsein sein könnte, niemand zu sein!

"In ihm gab es niemanden" beginnt die Geschichte und berichtet weiter, dass Shakespeare in seiner Kindheit glaubte,
alle anderen Menschen wüssten auch, dass sie niemand sind.
Als er jedoch über seine Erfahrung mit seinen Freunden sprach, erntete er nur verwunderte Blicke,
"die ihm seinen Fehler deutlich machten, und er erkannte, dass ein Individuum innerhalb seiner Gattung
besser nicht aus der Rolle fällt".

Die Geschichte beschreibt ein Leben in der Winterzeit der Leere, in der der Verstand, angefeuert von der Angst,
alles versuchte, was auch mein Verstand unternommen hatte, um die Rückkehr eines persönlichen Bezugspunktes in Gang zu bringen.
Der Verstand suchte ihn bei Freunden, in intensiven emotionalen Zuständen und sexuellen Beziehungen,
doch all diese Dinge bezogen sich für keinen einzigen Augenblick auf irgend jemanden.

Als Shakespeare Schauspieler wurde, so fährt die Geschichte fort, hatte er seinen Beruf gefunden,
bei dem er "spielen konnte, jemand zu sein, vor einer Audienz, die spielte, ihn für diese Person zu halten".
Obwohl er sein ganzes Leben lang versuchte, das Gefühl wiederherzustellen, jemand zu sein, ist ihm das nie gelungen.
Für alle anderen schien er ganz gewiss jemand zu sein.

#7 RE: Suzanne Segal - Kollision mit der Unendlichkeit von ally 19.09.2009 12:51

Am Ende heisst es dann:
In der Geschichte steht, als er (Shakespeare) vor oder nach seinem Tod vor Gottes Angesicht trat, sagte er zu IHM:
"Ich, der ich vergeblich so viele Männer gespielt habe, möchte nur ein Mann sein: Ich selbst".

Und aus dem Wirbelwind kamm Gottes Stimme und sagte:
"Auch ich habe kein Selbst.
In meinem Traum erschien die Welt, so wie in deinem Traum deine Werke entstehen, mein Shakespeare,
und von all den Formen in meinen Träumen bist du eine, die, genau wie ich, viele Männer spielt und keinen".

#8 RE: Suzanne Segal - Kollision mit der Unendlichkeit von Marion 19.09.2009 13:03

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hmm, grad nachgeguckt, ich habe das Buch im Nov2003 gelesen und so weit ich mich erinnere, konnte ich damals nicht wirklich viel damit anfangen, vielleicht sollte ich mal wieder einen Blick reinwerfen - ihr facht meiner Neugierde an

@ally, ich liebe freund shakespeare

#9 RE: Suzanne Segal - Kollision mit der Unendlichkeit von viola-annai 19.09.2009 14:22

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Mich hat Suzaannes Geschite damals außerordentlich beeindruckt, aber etwas hat daran für mich nicht gestimmt und heute weiß ich,
was dieses Unwohlsein war.
Ich dachte, meine Güte, wenn sie an de m Punkt ist, wieso wählt sie dann - nachdem sie für sich den traum als solchen erkannt hat - kurz danach, den Körper mit Krebs zu verlassen?

Das war halt i h r Weg.

Entwicklungsgeschichtlich wird das wohl kaum noch jemand wählen, der erkannt hat, wer oder was er/sie ist.

Wozu auch?

Und erkennen, wer oder was ich bin, dazu m u s s sich - zumindest, wenn ich von der gesamten Bandbreite spreche - auch der Körper der Wandlung unterziehen.

Und dass hier alles Traum ist und ich aufwache, um zu erkennen, d a s s es ein Traum ist, ja, sehe ich auch so, -
aber es geht ja weiter.
Der Traum entpuppt sich - fpür mich - nicht weiter als Traum, wenn ich alles in mir zusammenbringe und daraus die erlöste göttliche Schöpfung wird.
Meinetwegen kann das wer auch immer noch Traum nennen, ich nenne es die wahre Schöpfung.

Und zu Shakespeare:
"Ich, der ich vergeblich so viele Männer gespielt habe, möchte nur ein Mann sein: Ich selbst".

Müsste nicht dann am Ende stehen: "Niemand"?

Ich kann mich mit dieser Ausdrucksweise nicht so anfreunden, obwohl ich weiß, was ausgedrückt werden soll.

ich finde es dennoch auch zu ein -seitig.

Niemand - und doch ein einzigartiger Niemand - nämlich ein einzigartiger Ausdruck

Viola-Ann ai

#10 RE: Suzanne Segal - Kollision mit der Unendlichkeit von Karin 19.09.2009 14:50

Zitat von viola-annai
Mich hat Suzaannes Geschite damals außerordentlich beeindruckt, aber etwas hat daran für mich nicht gestimmt und heute weiß ich, was dieses Unwohlsein war.
Ich dachte, meine Güte, wenn sie an de m Punkt ist, wieso wählt sie dann - nachdem sie für sich den traum als solchen erkannt hat - kurz danach, den Körper mit Krebs zu verlassen?

Das war halt i h r Weg.

Entwicklungsgeschichtlich wird das wohl kaum noch jemand wählen, der erkannt hat, wer oder was er/sie ist.



Dass so ein Argument kommt, war irgendwie klar.

In der Tat, für dich ist es nicht stimmig, Viola. Ist ja ok. - Kannst du auch nicht verstehen, da du das „ich“ für real hältst, für eine Instanz, die Krebs „wählen“ oder „nicht wählen“ könnte. - Sie schreibt von etwas ganz anderem...


#11 RE: Suzanne Segal - Kollision mit der Unendlichkeit von viola-annai 19.09.2009 14:59

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Liebe Karin,

dass so ein Argument kommt, war ja auch irgendwie klar.

Wissen wir auch beide:
ich weiß nicht, wovon sie spricht -
du weißt es.

Beiden liegt anscheinend was dran, kundzutun, wie es bislang gewusst wird.

Lieben Gruß von Viola-Annai

#12 RE: Suzanne Segal - Kollision mit der Unendlichkeit von Karin 19.09.2009 15:19

Ich verstehe nicht, was du damit jetzt sagen willst, Viola.

Zitat von viola-annai
Wissen wir auch beide:
ich weiß nicht, wovon sie spricht -
du weißt es.



In der Tat. Ich erfahre das Sein so wie sie. Darum weiß ich, wovon sie spricht.

Du sagst selbst, für dich ist es nicht stimmig. Du erfährst es anders. – Und jetzt?


Lieben Gruss

#13 RE: Suzanne Segal - Kollision mit der Unendlichkeit von viola-annai 19.09.2009 16:31

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Nichts mehr jetzt.

#14 RE: Suzanne Segal - Kollision mit der Unendlichkeit von ally 19.09.2009 20:00

aus dem Kontext ...

Ein Jahrzehnt war vergangen, seit sich der persönliche Bezugsrahmen aufgelöst hatte,
ein Jahrzehnt der Suche nach dem Verständnis, während die Angst an mir nagte.
Egal, wieviel Angst auch hochkam, die Leere schwankte für keinen Moment.
Ich hatte diejenigen aufgesucht, die als die Weisen in unserer Kultur galten, diese gebildeten Seelen,
deren Intellekt durch strenge akademische Ausbildung weiterentwickelt worden war.
Die "Lehrer des postmodernen Zeitalters", Psychotherapeuten genannt, hatten ihr Bestes gegeben,
um mir ein Verstehen meiner Erfahrung, wie ich sie ihnen beschrieben hatte, zu vermitteln.
Sie hatten versucht, erklärende Worte für etwas zu finden, das sie selbst nicht verstanden.

Alle Therapeuten, mit denen ich gesprochen hatte, waren, auch wenn sie die besten Absichten hatten,
von den Mauern ihrer Vorstellungen über die Interpretationen des Lebens umgeben und unfähig,
die Möglichkeit zu erwägen, dass die Realität auf unterschiedlichste Weise erfahren werden konnte.
Das Fazit war:
Niemand war bereit zuzugeben, dass er keine Ahnung hatte.



Suzanne Segal "Kollision mit der Unendlichkeit"

#15 RE: Suzanne Segal - Kollision mit der Unendlichkeit von viola-annai 19.09.2009 20:34

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Zitat:
" . . . die Möglichkeit zu erwägen, dass die Realität auf unterschiedlichste Weise erfahren werden konnte."

Das finde ich wahrlich ausgezeichnet.

Und dass es nicht so einfach ist, bzw. war, darauf weist auch hin, dass sie die Bestätigung eines Jemanden brauchte - vielleicht gehört das ja auch der Vergangenheit an - der ihr klar sagte: "Ja, d a s ist e s .."

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